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Wegen schwerer Erkrankung des Betreibers ist dieses Blog geschlossen. Es bleibt für einige Zeit noch lesbar, wird dann aber abgeschaltet. Kommentare sind nicht mehr möglich. Anton ist auch auf Email nicht mehr erreichbar.

Neuigkeiten für DXer

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Mir ist gerade aufgefallen, dass ich schon lange keinen Blog-Eintrag mehr geschrieben habe. Nun, das wollen wir hiermit nachholen.

Zuerst einmal etwas für die DXer unter euch. Sicher werdet ihr schon von der geplanten Navassa-Expedition gehört haben. Für Nicht-DXer: Navassa ist eine Insel in der Karibik. Sie liegt zwischen Haiti und Jamaika. Sie wird von Haiti beansprucht, gehört aber zu den USA und ist ein Naturschutzgebiet. Es ist deshalb sehr schwierig für Amateurfunker eine Genehmigung für eine Expedition zu bekommen. Obschon sie sowohl für Europäer wie auch Amerikaner funktechnisch leicht zu erreichen sein wird: Das Pile-up wird gewaltig sein. Zumal die “Mode” aufgekommen ist, so eine Expedition auf möglichst vielen Bändern zu arbeiten. Wer wissen möchte, was wann auf Navassa läuft, wird sicher auch diese Webseite im Auge behalten.

Als DX-Jäger ist nicht nur eine gute Antenne, sondern auch eine kräftige PA vorteilhaft. Ein Thema, das mich zurzeit besonders fasziniert. Vielleicht erinnert ihr euch noch an den JUMA-Transceiver aus dem hohen Norden. Irgendwie scheint er in der Versenkung verschwunden zu sein. Kein Wunder bei der Konkurrenz aus dem Süden ;-) Doch die Finnen hatten noch ein anderes Projekt im Ofen: eine KW-Endstufe als Bausatz. Aber auch hier scheint es nicht so recht vorwärts zu gehen.

Wenn man eine PA selbst baut, ist das HF-Deck nur ein Teil. Genauso wichtig ist der Controller mit den Schutzschaltungen, aber auch das Netzteil. Bei Transistor-PA’s hat man heute die Wahl zwischen der klassischen Lösung mit Trafo, Gleichrichter und Elko – eine Stabilisierung ist meist nicht notwendig – und einem Schaltnetzteil aus dem fernen Osten. Früher habe ich diese Dinger in China bestellt. Doch heute kann man sie genauso günstig bei uns kaufen.

Für mein derzeitiges Projekt habe ich mich aber für die Trafo-Lösung entschieden. Grund: ich möchte eine leise PA und die Luftheuler in den Schaltnetzteilen gehen mir auf den Keks.

Heute ist übrigens der Trafo eingetroffen: ein Riesentrumm. Na ja, alles kann man eben nicht haben. Entweder laut oder schwer. Jetzt geht es nur noch darum, das Netzteil zu berechnen. Hier hilft diese Seite.

Solche Web-Tools sind sehr praktisch. Dumm nur, wenn sie plötzlich verschwinden, wenn der Betreiber der Seite erkrankt oder gar gestorben ist. Ein Beispiel hatten wir kürzlich: Den Mini Ringkernrechner von DL5SWB.

Nun ist leider ein anderes Problem aufgetaucht. Die Seite von AADE ist wegen schwerer Erkrankung des Inhabers scheinbar nicht mehr verfügbar. Er hat bisher einen frei runterladbaren Filterrechner zur Verfügung gestellt – ein sehr gutes Tool. Glücklicherweise funktioniert der Download aber noch durch die Hintertür. Doch wer weiss, wie lange noch.

Zum Schluss noch etwas Erbauliches. So stellt sich Erick Wernquist die Eroberung unseres Sonnensystems vor. Ein wunderschöner kleiner Film.

Ich wünsche euch allen frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr

73 de Anton

Bild: Die Gastlosen vom Ritzli aus gesehen (Bei Jaun, Kanton FR)

TS-590SG

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Rob Sherwood, NC0B hat nun auch den Nachfolger des TS-590S, den TS-590SG, in seine berühmt, berüchtigte Liste aufgenommen. Wie zu erwarten war, ist in der nach Dynamikbereich im 2kHz-Abstand sortierten Liste der neue Woody auf einem der obersten Plätze zu finden. Die Verbesserungen gegenüber dem TS-590S sind allerdings nur marginal.

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Interessant ist, was dazu Rob Sherwood selbst zu sagen hat. In einer TS-590S-Diskussionsgruppe auf Yahoo hat er dazu ausführlich Stellung genommen.

Generell zu seiner Liste sagt Bob, dass der 2kHz-Dynamikbereich zwar sehr wichtig sei – besonders für CW – und dass er deshalb seine Liste nach diesem Kriterium geordnet habe, doch seien auch die anderen Messwerte bei der Beurteilung eines Empfängers in Betracht zu ziehen. Sonst sei es wie bei einem Sportwagen, der nur nach der Pferdestärke seines Motors beurteilt werde, ungeachtet dessen, wie er kurvenreiche Straßen meistert.

Interessant ist auch seine Aussage, dass eigentlich alles über 80dB beim 2kHz-Dynamikbereich „good enough“ sei. Allerdings habe er mit den Fortschritten bei den Empfängern auch seine Ansprüche hochgeschraubt. Es sei ja immer gut „Reserven“ zu haben.

Zum Schluss gibt er potentiellen Käufern eines Kenwood TS-590 folgenden Rat: Wenn man aufs Geld achten muss, sollte man jetzt noch zuschlagen und einen der alten kaufen, die jetzt noch supergünstig abgestoßen werden.

Soweit die Ausführungen von Rob Sherwood. Natürlich spielen bei der Auswahl eines KW-Transceivers noch viele andere Eigenschaften eine Rolle. Nicht zuletzt die Ergonomie und der persönliche Geschmack.

Zudem werden zuweilen gewisse schlechte Eigenschaften durch gute Messwerte „verschleiert“. Das ist zum Beispiel beim Elecraft KX3 der Fall, der ebenfalls zuoberst auf Bob’s Liste mitmischt. Dessen Empfänger ist nämlich ein Direktmischer (DC-Receiver) und hat wie alle Empfänger, die nach diesem Prinzip arbeiten, das Problem, dass starke AM-Rundfunksender-Sender außerhalb der Amateurbänder bei sehr guten und breitbandigen Antennen durchschlagen können. Sie werden im Mischer demoduliert und danach als NF dargestellt. Eine Möglichkeit, sie dann noch herauszufiltern besteht nicht mehr. Alles hängt von der Qualität des Mischers ab. Aber auch bei hohem Aufwand kann dieses Phänomen nicht ganz unterdrückt werden. Für ein Portabelgerät, das meistes an Behelfsantennen betrieben wird, spielt das keine Rolle. Setzt man aber einen DC-Receiver als Stationsgerät an einer Langdrahtantenne ein, kann der Empfang u.U. beeinträchtigt werden. Darauf wird übrigens auch von Elecraft in Diskussionsforen hingewiesen. Klar, dass das nicht an die große Glocke gehängt wird.

AM-Durchschlag äußert sich übrigens so, dass AM-Rundfunksender über das ganze Band gehört werden, unabhängig von der Abstimmung. Und je nach Ausbreitungsbedingungen sind sie manchmal stärker, manchmal schwächer, oder verschwinden ganz. Ein weiterer Nachteil von DC-Receivern ist übrigens auch die Abstrahlung des Lokal-Oszillatorsignals, sofern man keinen Trennverstärker verwendet, ähnlich wie bei einem Audion.

73 de Anton

Auf die Dauer hilft nur Power

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Ich bin kein Fan von Krokodil-Stationen (große Schnauze – kleine Ohren) und liebe QRP. Aber es gibt Situationen, in denen etwas mehr Leistung nicht schaden kann. Bei DX auf 80 und 160 zum Beispiel. Aber auch für NVIS-QSO’s auf diesen Bändern, bei sommerlichem QRN und Reihenhausantenne auf alpinem Grund.

Da ich ab und zu gerne auf 160m bei einer Klön-Runde mitmache, wollte ich mir auch einige dB beschaffen. Ist ja alles in der Bastelkiste, dachte ich. So eine halbe “Gallone” für 160 das kriegt man doch an einem Wochenende gebacken. Inzwischen weiß ich es besser.

Irgendwo hatte ich noch einen Sack voll IRFP250 und stolperte bei der Suche nach einem Schaltplan, den ich abkupfern konnte, über einen Engländer und einen Franzosen.

Der Engländer heißt Dave, G3YXM, und ist mir aus der Langwellenszene bestens bekannt. Auch er machte sich mal daran, aus gewöhnlichen HexFet für 160m und 80m einige hundert Watt herauszukitzeln. Mit Erfolg, wie seine Beschreibung zeigt. Und das war vor ca. 16 Jahren!

Im Januar 2008 beschrieb dann Gérard, F6EHJ im französischen “MEGAHERTZ” eine PA mit HEXFET. Und zwar mit den gleichen Transistoren, IRFP250, die seit Urzeiten in meiner Bastelkiste hocken. Bis zu 900 Watt quetschte Bérnard aus seiner PA mit 4 Transistoren.

Durch diesen Artikel stimuliert, kam dann Jean-Bernard, F4EOH, auf den Trichter und baute nicht nur eine 4er, sondern auch eine 6er PA. 

Es gibt noch eine ganze Reihe anderer OM, die das gleiche taten oder versuchten. Doch von ihnen findet man kaum etwas im Web.

Schalttransistoren wie der IRFP250N und Konsorten sind zwar günstig, aber nicht für HF gedacht und so ist es denn auch nicht verwunderlich, dass alle Experimentatoren von Explosionen berichten. Auch ich, als vorerst Letzter in dieser Reihe, kann davon ein Lied singen*. Bis man alles im Griff hat, geht einiges an Munition drauf. Ein Funkfreund, der sich auch mit dieser verrückten Idee herumschlägt, meinte kürzlich, er habe gerade wieder 10 Schuss bestellt.

Sinn ergibt solches Tun nur bedingt. Auch wenn man heute zu leistungsfähigeren Schalttransistoren greifen kann, als der ins Alter gekommene IRFP250. Denn inzwischen bekommt man für wenig Geld HF-Transistoren, die Erstaunliches leisten. Ein BLF188XR, der locker bis ins 2m Band mehr als ein Kilowatt macht, bekommt man schon für 136 Euro. Diese Transistoren sind sehr robust und haben auch keine Angst vor schlechtem SWR ;-)

Dazu braucht man dann nur noch ein paar Ferritkerne für die Trafos, etwas Zugemüse und ein kräftiges Schaltnetzteil für 50V. Die Zeiten der Röhren-PA’s sind damit definitiv Geschichte!

Man braucht übrigens kein HF-Ingenieur zu sein, um selbst eine Transistor-PA zu bauen und man muss auch keine Entwicklungsarbeit leisten. Denn findige OM haben diese Arbeit schon gemacht. Z.B. aus USA, Israel, Griechenland, der Ukraine und Russland.

Wer ein großes Amatör-Budget hat, der geht auf Nummer Sicher und baut sich eine KPA500 von Elecraft. Aber auch für weniger Betuchte gibt es eine Möglichkeit. Zum Beispiel bei R3KBO in Russland. Zurzeit ist ja der Rubel so günstig wie noch nie. Für einen Franken bekommt man heute etwa 60 und für einen Euro etwa 72 Rubel. Da lohnt sich ein Besuch im Shop eb104.ru.

Dort gibt es alles zum Selbstbau einer PA. Von der leeren Leiterplatte bis zum fertig bestückten und abgeglichenen Board. Auch die diversen Hilfsschaltungen sind für wenig Geld zu haben und wer noch keine Stromversorgung hat, kann sich sogar mit einem 2kW Schaltnetzteil eindecken, und das zu einem Preis wie man ihn auch beim tiefsten Tauchen in der Bucht nicht findet.

73 de Anton

Bild: Mein Breadboard für eine PA mit viermal IRFP250. Sollte ich Erfolg haben, werde ich hier darüber berichten. Wenn nicht, schweigt des Sängers Höflichkeit*.

Amateurfunk mit dem Mobiltelefon

Liebe Leser, vergesst Amateurfunk und CB, Prüfungsstress und Antennenverbot. Vergesst Relaisstationen und Notfunk. Auch die Feuerwehr und die Polizei brauchen keine Funkgeräte mehr und der Handwerker kein PMR. Vergesst What’s up und SMS und all den Schreibkram. Hier kommt die Lösung aller Funkprobleme: Sie heißt ZELLO.

Kein Stress mit Baofeng und Bakom, kein teures Yesus-Handy. Alles was ihr braucht, ist euer Mobiltelefon, euer i-wasweissich oder was immer ihr so mit euch rumschleppt. Denn euer Handy ist ein Handy! Das heißt, euer Mobiltelefon ist ein richtiges Amateurfunk/CB/Profi-Funkgerät. Und zwar mit weltweiter Reichweite und unendlich vielen Kanälen.  Selbstverständlich abhörsicher verschlüsselt und mit offenen oder geschlossenen Gruppen. Ob nur fünf oder tausend Teilnehmer: Skype war gestern. Zello ist die Zukunft.

Nein, ich spreche auch nicht von Sprachnachrichten. Sprechen, speichern, senden ist doof. PTT ist cool. Push to Talk heißt das. Funk nennt sich das in unseren Kreisen. Ich drücke den Knochen (das Mikrofon) und kann sprechen. Wenn ich loslasse, höre ich den (die) anderen auf dem gleichen Kanal. Ist das nicht fantastisch?

Wie das in Wirklichkeit funktioniert wird hier in diesem Video eindrücklich demonstriert. Marconi hätte seine helle Freude daran gehabt:

Wer trotzdem meint, auf Funkgeräte nicht verzichten zu können, für den gibt’s ein praktisches Kästchen, das die Funke über das Web mit Zello verbindet. Da braucht’s kein Relais auf Bergeshöhn. Ein Taucher in der Bucht genügt und OM ist QRV.

Wie alles Gute kommt Zello natürlich aus Amerika. Wer mehr erfahren will guckt hier.

Danke Bruno für den Tipp

73 de Anton

PS. Manchmal werde ich gefragt, wieso ich ausgerechnet in Deutsch schreibe und nicht in Englisch oder Französisch. Deutsch ist eben anders, wie folgender Film zeigt:

Aus für FM

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Nach dem AUS für die Kurz- und Mittelwelle geht es in der Schweiz jetzt UKW an den Kragen. Wie das BAKOM mitteilt, soll die Migration vom UKW-FM-Band nach DAB 2020 beginnen. Bereits 2024 soll der letzte UKW-Sender abgeschaltet werden. Die Arbeitsgruppe “Digitale Migration” hat dazu einen Abschlussbericht erstellt:

DigiMig+Schlussbericht+V_Def_D_web

Wenn das so realisiert wird, wie sich die Technokraten vorstellen, könnte in zehn Jahren nicht nur in Tausenden von Fahrzeugen Funkstille einkehren, die Schweiz könnte auch zu einer DAB-Insel werden. Denn im restlichen Europa herrscht zurzeit noch wenig Begeisterung für DAB.

Siehe dazu auch mein Blog vom 3. Dezember 2013

73 de Anton

Bild: Auf dem Weg vom Col de la Croix Haute nach Grenoble.

Die Schnapsnase

Schnapsnase 2

Das Squeezen beim Morsen will gelernt sein. Wer einfach nur links und rechts auf die Paddels haut, der sollte sich fragen, ob er die richtige Taste hat. Denn in diesem Fall sind zwei Paddels zuviel – eins würde genügen. Der Vorteil liegt nicht bei den Kosten, einarmige Banditen kosten gleich viel wie die zweiarmigen. Doch man gerät nicht in Versuchung, zwischendurch etwas zu tun, das man nicht beherrscht: Squeezen.

Auch ich gehöre zu denen, die diese Spielart nur ungenügend beherrschen und so arbeite ich am liebsten mit der HST von Begali. Zumindest war das vorgestern noch der Fall. Doch gestern kam Sonja, die Pöstlerin, vorbei und brachte ein Päckchen vom Weihnachtsmann. In meinem Fall heißt er Hansjörg und hat sogar ein Rufzeichen: HB9DWS. Der Inhalt: Eine Single Lever von Palm Radio. Wegen ihres dicken roten Paddels nannte ich sie spontan Schnapsnase.

Ich war schon etwas misstrauisch, muss ich gestehen. Die Begali ist gebaut wie ein Tank: robust, schwer, unzerstörbar. Und so fühlt sie sich auch an. Die Single Palm ist das pure Gegenteil: filigran, leicht und scheinbar verletzlich. So ging ich denn äußerst vorsichtig an die Neue heran. Mit spitzen Fingern habe ich sie gestreichelt. Und wie eine Geliebte erschauderte sie unter meinen Berührungen und antwortete sanft mit Strichen und Punkten. Sie war nicht zu weich und auch nicht zu hart, sondern genau richtig und ihre rote Nase antwortete auf jeden Druck mit einem leisen Klack.

Selten gingen mir die Morsezeichen so leicht von der Hand. Schon nach kurzer Zeit war ich von der Neuen eingenommen. Ich wurde immer frecher und ging an aufs Ganze. Sie machte willig alles mit. Nicht wie ein Tank, wie ein Ferrari zischte die Rote ab. Ich denke, wir werden noch viel Spaß miteinander haben.

Schnapsnase 3 Schnapsnase 4

Natürlich habe ich sie sofort auseinander genommen und von ihrem kleinen Schwarzen befreit. Das besteht jetzt nicht mehr aus Metall sondern aus Kunststoff. Da lottert nichts mehr. Die Schnapsnase sitzt präzise in der schützenden Hülle. Welch ein Unterschied zu früher! Die Mechanik jedoch basiert auf dem gleichen, bewährten Prinzip wie bisher: Leiterplatten als Federn und Kontakte zugleich. Natürlich vergoldet. Erstaunlich ist auch die Präzision der Kunststoffteile im Innern. Ihre Mechanik ist genial durchdacht. Die Einstellung geschieht mit je zwei Inbusschrauben für den Kontaktabstand und die Federwirkung, und wie immer sitzt der passende Inbusschlüssel im abnehmbaren Magnetsockel der Taste. Eine Spezialität von Palm. Doch nicht die Einzige. Da gibt es nämlich noch eine fünfte Schraube und bevor man daran dreht, sollte der OM geflissentlich einen Blick ins Manual werfen. Denn damit kann die Single in eine Cootie transformiert werden.

Eine Cootie, auch Sideswiper genannt, ist nichts anderes als eine horizontale Klopftaste. Die Tastelektronik im Transceiver wird dabei ausgeschaltet und dann gibt man die Zeichen abwechslungsweise links und rechts. Doch lassen wir das Carlo erklären:

Ich denke, ein wichtiger Vorteil der Palm Single ist die geringe Masse, die die Finger bewegen müssen. Da ist keine große, schwere Mechanik aus Metall, nur ein bisschen Kunststoff. Das führt meines Erachtens zu einer unvergleichlichen Leichtigkeit des Seins des Gebens.

Soviel zu meiner Errungenschaft, zu der ich kam wie die Jungfrau zum Kind ;-)

Herzlichen Dank Palm Radio, herzlichen Dank Hansjörg.

Wer nichts mit Morsen am Hut hat, dem kann ich vielleicht hiermit etwas Trost spenden: Habt ihr euch schon mal überlegt, wie die Gegenstation aussieht, wenn ihr wiedereinmal mit eurem QRP Truckli und dem Draht ohne Gegengewicht Japan “gemacht” habt? Vielleicht sieht es so aus wie bei:

7J4AAL oder AE5X, der auf 15m EME im Sinn hat. Eine interessante Alternative für die zukünftigen Jahre mit geringer Sonnenaktivität ;-) Auch bei ES5TV wird mit der großen  Kelle angerichtet. Ich möchte mich in diesen Fällen LA9OCA anschließen und fragen: “Ist das noch Amateurfunk?”

Danke Martin, HB9RCJ, für die Links.

Aber vielleicht habt ihr es auch nicht so mit den großen  Antennen, da der Balkon bei euch im zweiten Stock gerade nur 1.5 mal 3 Meter misst? Gut, dass der Computer keine Antenne braucht. Hier etwas Musik zum Trost:

“Das ist ja bloß  eine Computersimulation”, werdet ihr vielleicht entgegenhalten. “In Wirklichkeit ist das unmöglich.”

Nicht ganz, wie folgendes Video beweist. Dort wurde die Computersimulation mit Hardware nachgebaut:

Danke Andy, HB3YAF, für den Tipp.

Schönes Wochenende, 73 de Anton, und denkt immer daran:  CW 4ever – alles andere ist CB :-)

TCXO für FT-817: richtig und falsch. Ein Nachtrag

RICHTIG:

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Bild aus dem Blog von DL2YMR, der seinen Chinesen ausgemessen hat.

FALSCH:

Falsch

Heute habe ich noch einmal einen Blick auf den Chinesen TCXO geworfen, der meinen FT-817 fast gekillt hätte. Und dabei ist mir etwas aufgefallen. Schnell das Service-Manual konsultiert, Bilder im Web verglichen und dann ab damit unter das Binokular. Grauslich waren die Lötstellen anzusehen, doch das war nicht das Problem. Der TCXO war schlicht falsch (um 180° versetzt) auf den Print gelötet.

Also habe ich mein Bretzeleisen angesteckt und das Ding rausgelötet. Trotz Lötsauglitze gingen natürlich die Durchplattierungen kaputt. Aber mit etwas Fantasie kann man auch dieses Problem lösen ;-)

Der langen Übung kurzer Sinn: Jetzt läuft der Chinese und ist dazu noch genau auf der Frequenz. Sagt zumindest mein Rubidium-Normal. Auf dem 2m Band aufs Hertz genau! Eine wahre Freude.

73 de Anton

Ionosphärensonden

Um eine KW-Funkverbindung zwischen zwei Punkten vorauszusagen, ist VOACAP Online ein gutes Tool. Ich habe hier darüber berichtet.

Doch für NVIS, also Kurzwellenverbindungen über kurze Distanzen, ist es weniger geeignet. Um zu sehen, ob das 40m Band für eine Verbindung über 100 oder 300km noch geht oder ob man bereits auf das 80m Band ausweichen muss, konsultiert man am besten eine Ionophärensonde, kurz Ionosonde. Das ist im Prinzip ein Kurzwellenradar-Radar, das den Zustand der Ionosphäre misst. Vereinfacht gesagt: Dabei wird ein Impuls senkrecht in den Himmel geschickt, der über den ganzen Kurzwellenbereich wobbelt. Dann schaut sich der Computer, der am Empfänger hängt, die Frequenzen an, die zurück reflektiert werden. Aus den Laufzeiten kann die Höhe der Ionosphäre ausgerechnet werden, aus den Signalstärken die Dämpfung.

Für Seefahrer: Im Prinzip ist es ein Echolot für den Himmel ;-)

Für uns Mitteleuropäer ist zum Bespiel die Sonde in Pruhonice JN65 geeignet:

Ionosphärensonde

Aber auch Juliusruh in Norddeutschland oder Dourbes in Belgien sind einen Besuch wert. Und wer sehen will, wie die Bedingungen zur Zeit im hohen Norden sind, der schaut mal in Tromsø nach.

Alle europäischen Ionosphärensonden sind hier zu finden.

Und wer mehr zu diesem Thema wissen möchte, dem empfehle ich den Vortrag von Jens Mielich, den er 2012 in Friedrichshafen gehalten hat.

73 de Anton

Chinesen TCXO für FT-817: Geiz ist nicht geil!

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In der E-Bucht schwimmen zurzeit supergünstige TCXO für verschiedene Transceiver herum. Für 20 bis 30% vom Originalpreis. Wer möchte da nicht zuschlagen? Die Foren sind voll des Lobes. Doch Achtung! Geiz ist nicht immer geil, wie folgendes Video zeigt. Ich habe mit einem solchen Teil fast meinen FT-817 gekillt. Das Video ist furchterregend und lässt das Schlimmste befürchten:

Glücklicherweise läuft der Kleine noch mit dem wieder eingesetzten Original-Oszillator.

73 de Anton

Hühnerleiterstecker

Einer der Gründe wieso ich die deutsche Sprache liebe: man kann wunderbare Tatzelwurmwörter zusammensetzen.

Auch die Hühnerleiter ist ja so eine Art Tatzelwurm. Dazu habe ich heute Post von Jürgen bekommen. Er benutzt anstelle eines Antennentuners für jedes Band die passende Länge Hühnerleiter um auf ein günstiges SWR zu kommen. Dazu steckt er jeweils von Hand um und das sieht dann so aus:

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Das Dachfenster kommt mir übrigens bekannt vor: könnte in meinem Shack sein. Aber auch die Stecker kommen einem bekannt vor ;-)

Eine interessante Methode und dazu noch verlustarm. Da wird keine Leistung in einem Tuner oder einem Balun verbraten!

Jürgen benutzt dabei einen Dipol mit zweimal 16.4m.

In seinem Mail macht er mich übrigens darauf aufmerksam, dass es in gewissen Fällen vorteilhaft ist, den Mantel des Koax bewusst als Gegengewicht einzusetzen und zum Beispiel eine Mantelwellendrossel erst beim Hauseintritt des Kabels anzubringen. Da kann ich ihm nur zustimmen. Die winzige Wunderantenne Mikrovert wäre keinen Pfifferling wert, hätte sie nicht das Gegengewicht des Koaxialkabels.

Womit wir wieder einmal beim Thema wären: Wunder haben in unserer Welt eine interessante Eigenschaft: Sie lassen sich nicht reproduzieren. Das betrifft nicht nur Wunderheilungen oder Maschinen, die scheinbar Energie aus dem Nichts schöpfen, sondern auch Wunderantennen.

Hier noch ein Bild des Programms, das Jürgen verwendet, um die optimale Länge der Hühnerleiter zu bestimmen:

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Vielen Dank lieber Jürgen für dein interessantes Mail. Nur ein Problem habe ich in diesem Zusammenhang noch: leider ist mir dein Rufzeichen entfallen und ich konnte es nirgends finden ;-) Rätsel gelöst: DL4KE :-)

73 de Anton

Von harten und weichen Tasten

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Kürzlich war ein befreundeter Funkamateur in meinem Shack und hat meine diversen Paddles probiert. An Palm gewöhnt, kam er nicht mit allen in die Gänge. Insbesondere nicht mit der Begali Expedition.  Schon bald entdeckten wir den Grund: Paddle ist nicht gleich Paddle. Die Haptik ist bei allen verschieden. Darum prüfe sich, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zur Taste findet ;-)

Grundsätzlich gibt es aus meiner Sicht zwei Sorten Paddles: die harten und die weichen. Und das liegt – wie könnte es anders sein – hauptsächlich am Material. Fingerteile aus Plastik (Acrylglas) federn leicht – je dünner, desto mehr. Metallene Fingerteile praktisch nicht. Je nach Temperament des Telegrafisten und seiner Gebeweise sind dieses Unterschiede schwächer oder stärker bemerkbar.

Die Palms gehören meines Erachtens zu den Weichen – zumindest die ältere Generation. Butterweich würde ich sogar sagen. Manche Telegrafisten lieben dieses Gefühl, besonders die Streichler unter ihnen. Denn bei den Palm Paddles federt so zirka alles, bis zu den Kontakten selbst.

Weich ist auch der Yuri, ich meine die Tasten von UR5CDX ;-) Hier sind es vor allem die Fingerstücke aus Acryl, die federn. Bei einigen Tasten, wie der Europa, kommt dazu noch ein langer Hebel, der eine Rolle spielt.  Der Hebel und sein Über- oder Untersetzungsverhältnis ist übrigens ein Thema für sich. Untersetzt der Hebel stark – das heißt: großer Paddleausschlag ergibt kleinen Kontaktweg – wird der Kontaktabstand oft so klein, dass schon bei geringfügigen Verschmutzungen Kontaktstörungen auftreten.

Die Alu-Fingerstücke von Begali ergeben harte Tasten. Viele Telegrafisten lieben das Gefühl von Präzision, das dadurch entsteht. Verstärkt noch durch die Perforation der Fingerteile,welche dem Klebenbleiben entgegenwirkt.

Auch die Tasten von American Morse Equipment fallen in diese Kategorie. Persönlich mag ich das Feeling (und das Klack-Klack) dieser Paddles sehr. Wenn nur die “typisch amerikanische” Konstruktion nicht wäre, wie man sie insbesondere auch bei der High-Tech Lotterkiste KX3 “bewundern” kann. Kein Feingewinde auf den Einstellschrauben und als Kontakt Messing auf Stahl sind bei AMC offenbar Standard.

“Standard”, genau so schreibt man übrigens dieses Wort. Mir ist schleierhaft, wieso ein Großteil meiner Zeitgenossen “Standart” schreiben. Sogar in Werbebotschaften und Firmendokumenten anzutreffen. Dudeln würde helfen.

Doch zurück zu den Harten und den Weichen: wo ich die Tasten von Scheunemann einordnen muss, kann ich nicht sagen. Ich hatte noch nie das Vergnügen, eine Scheunemann zu betasten. Auch nicht eine Taste von N3ZN, dessen Paddles nur die besten Noten bekommen.

Aber es gibt noch viele andere – Klein und Kleinsthersteller. Meistens Einmannbetriebe. Gut, dass die Morsetasten noch nicht am Aussterben sind und man immer noch zwischen hart und weich wählen kann :-)

73 de Anton

Bild: Volldampf, von Mike

Neuigkeiten aus meinem Shack

Wer meine Steampunk-Romane (1)(2) gelesen hat, kennt den Mikromechanischen. Ein Roboter in der Grösse einer Zigarettenschachtel. Was die wenigsten wissen: Mikromechanische kommen im Steampunk-Universum auch in anderen Formen vor. Zum Beispiel so:

Mikromechanischer im Einsatz

Für Insider: Es handelt sich dabei um einen sogenannten Pentomechanischen mit einer Kapazität von 32 GB. Er hat ein gutes Erinnerungsvermögen und hilft mir, meine Baupläne zu erhalten. Zum Beispiel den meines 4m-Transverters, den ich kürzlich zusammengebaut habe:

4m Transverter

Allerdings stammt nur das Drumherum aus meiner Lötküche. Die Platine kommt aus der Ukraine. Der Empfänger ist sehr empfindlich, doch die Stabilität des Arbeitspunktes des Senders lässt zu wünschen übrig. Macht nix: in der Schweiz dürfen wir (noch) nicht auf 70 MHz senden. Zu hören ist – außer bei Überreichweiten – auch nur Rauschen. Benützt wird dieses Band hierzulande wohl vor allem auf dem Papier. Deshalb habe ich das Teil wieder im Schrank versorgt. Es reicht mir zu wissen, dass ich könnte, wenn ich wollte :-)

Bei anderen Dingen verhält es sich gerade umgekehrt: Ich wollte, wenn ich könnte. Bis vor kurzem betraf das auch Messungen an Antennen. Denn der MFJ-269, den ich bisher benutzte, war eher ein Schätzeisen und hinterließ mehr Zweifel als glaubwürdige Resultate. Jetzt ist er weg. Noch bevor ich in Zofingen alles ausgepackt hatte, hatte sich ein Schnäppchenjäger darauf gestürzt. Vermutlich habe ich das Teil zu billig verkauft. Aber lieber billig als gar nicht. Was ich übrigens auch von einer gewissen Endstufe sagen kann, die für 225 Franken die Hand wechselte. Am nächsten Tag fand ich sie für 395 auf Ricardo wieder ;-)

Doch zurück zu den Antennenmessungen: Der MFJ wurde durch einen AA-600 von RigExpert ersetzt. Notabene auch aus der Ukraine. Ein wunderbares Teil, mit dem ich voll zufrieden bin und kein Vergleich mit dem MFJ. Der Oszillator ist stabil, SWR-Kurven werden grafisch und in Farbe dargestellt – auf Wunsch auch als Smith-Chart. Sowohl “standalone” wie am Computer macht das Ding einen professionellen Eindruck. Und als nette Zugabe: endlich kann ich auch meine LW/MW-Antenne messen.

Doch nicht nur die Praxis habe ich aufgerüstet, auch die Theorie hat Verstärkung bekommen. Beide sollten ja im Idealfall Hand in Hand gehen. Anstelle des freien Antennen-Simulationsprogramm MMANA-GAL ist EZNEC 5.0+ getreten. Doch darüber bei späterer Gelegenheit mehr. Ich bin nämlich immer noch am Üben ;-)

73 de Anton

Neuigkeiten für Telegrafisten von der IARU: K bleibt K

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Nun liegt das Abschlussprotokoll der 23. Konferenz der IARU Region 1 vor. Da gibt es viel Interessantes zu lesen.

Für Telegrafisten dürfte die folgende Empfehlung von Bedeutung sein:

Recommendation VA14_C3_REC_21
1. Considering the established practise in use by the majority of amateur radio operators, IARU Region 1 recommends that well established CW proce-dures can still be used, in addition to the alternative procedures introduced in the book “Ethics and Procedures for the Radio Amateur” by ON4UN and ON4WW. The IARU Administrative Council endorsed the principles set out in the booklet.
2. The recommended CW (and digital mode) operating procedure involves the following:
a) “K” is an invitation to transmit at the end of transmission.
b) A station ending the transmission with “AR” alone is not inviting callers.
c) “K” is also the most common ending of a general “CQ” call.
3. That maximum publicity should be given, via member societies and oth-er available channels, to this recommendation.
4. That the Region 1 Executive Committee is instructed to bring this result to the IARU Administrative Council at the first possible opportunity.
Proposed by: IRA
Seconded by: RSM
The motion was carried with three abstentions

Damit dürfte der Fall wohl geklärt sein. K heisst “Bitte kommen” und gehört an den Ende eines CQ-Rufes. AR heisst “Ende der Mitteilung”. Punkt. Schluss. Basta. Ende der Diskussion. Es ist kaum damit zu rechnen, dass die anderen Regionen diesen Beschluss umstoßen werden. Die Amis haben sich bisher einen Schranz in Bauch gelacht ob der paar belgischen Amateure, welche das altgediente VA14_C3_40 IRA Conflicting CW Procedure

Ebenfalls für Telegrafisten interessant ist der beschlossene Bandplan für das 630m Band:

Bandplan 630m

Geändert hat sich also nichts. Auch ohne Direktive von oben wurde dieser Bandplan bisher eingehalten. Ein Gentleman-Agreement eben. Funktioniert leider wohl nur noch auf Lang- und Mittelwelle.

Ein weiterer Beschluss aus Varna, der die Telegrafisten betrifft, ist folgender:

Recommendation VA14_C5_REC_06
In order to facilitate inter-Regional sharing amend band plan as follows:
Main Table: 144,000 – 144,025 MHz, 2,7 kHz Max Bandwidth, Satellite space-to-Earth (downlink) x
Footnote x: No transmission shall be made below 144,0025 MHz
Further, recommend provision of an update to IARU Regions 2 and 3, regard-ing the Region 1 implementation
Proposed by: SZR
Seconded by: HRS
The motion was carried

73 de Anton

Bild: von Mike. Eine “codierte” Botschaft für alle Sammler von irdischen Gütern?

Nachtrag: ITU Abkürzungen für den Schiffsfunkverkehr

Mantellwellen-Drossel für automatische Tuner

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L-Antennen existieren seit Marconis Zeiten. Es gab kaum ein Schiff auf den Weltmeeren, das keine hatte. Doch Schiffe haben ideale Erdverhältnisse: eine riesige Stahlwanne umgeben von Salzwasser.

Die meisten OM können davon nur träumen. Trotzdem ist die L-Antenne auch für Funkamateure interessant. Umso mehr, seit es automatische Tuner/Koppler gibt, die man direkt beim Speisepunkt installieren kann. Damit entfällt das mühsame Abstimmen der Antenne. Auf Resonanz braucht man nicht mehr zu achten und man erhält „automatisch“ eine Allbandantenne. Traps und andere Krücken kann man vergessen.

Doch eines darf der OM niemals vergessen: Das Gegengewicht. Und da tut es ein simpler Staberder nicht. Denn ein Reihenhaus am Stadtrand ist kein Schiff auf dem Ozean.

Ein Staberder ist ein miserables Gegengewicht. Einer oder mehrere auf dem Boden ausgelegte, oder knapp eingebuddelte Drähte sind viel besser. Das Gegengewicht braucht Fläche.

Ein automatischer Tuner wie der CG-3000 merkt sofort, wenn ihn der OM bescheißen will. Bei schlechtem Gegengewicht fängt er an zu zicken. Wenn es trotzdem gut geht, ist es nur dank dem Koaxkabel. Die HF hat sich in diesem Fall die Abschirmung des Kabels als Gegengewicht ausgesucht.

Doch damit kommen andere Probleme auf den OM zu: Die HF wird ins Haus geschleppt und macht sich in der Haushaltelektronik bemerkbar und beim Empfang wandern Störungen aus dem häuslichen Elektronikschrott zum Empfänger. Im schlimmsten Fall beginnt der Transceiver beim Senden zu spinnen, das Mikrofon wird heiß und die Modulation zum Zombiesprech.

Darum sieht die korrekte Installation eines Autotuners so aus wie oben im Bild: Eine Mantellwellen-Drossel unmittelbar beim Anschluss aufs Koax und dito für das Speisekabel des Tuners. Bewährt haben sich die großen Ringkerne von Epcos mit dem Material N30. Erstens kann man das Kabel auch mit Stecker durchschlaufen, zweitens sind sie auch noch auf 160m wirksam. 6 Windungen genügen. Das klappt auch noch mit Aircell 7. Ein 7mm Koaxkabel mit ähnlichen Eigenschaften wie das dickere RG-213. Bitte den minimalen Biegeradius des Koax beachten. Lockere Windungen sind kein Nachteil; zu strenges Wickeln kann das Kabel beschädigen. Wie bei allen Ringkernen gilt: Einmal hindurch = eine Windung.

Zum Schluss noch ein paar Bemerkungen zur L-Antenne. In der von mir kürzlich vorgestellten Form ist sie für das 80m und 40m Band eine ausgezeichnete NVIS-Antenne. Mit 20m Horizontalteil funktioniert sie zwar auch auf 160m, ist dort aber ein schlechter Steilstrahler. Erst ab 30m Länge beginnt sie auch auf 160m steil zu strahlen.

Natürlich wird der automatische Tuner unsere L-Antenne auf allen oder den meisten KW-Bändern abstimmen. Doch eine gute DX-Antenne ist sie mit diesen Abmessungen nicht, wie bei einer Simulation mit MMana-Gal oder EZNEC zu sehen ist.

73 de Anton

Bild: „Korrekter“ Anschluss eines CG-3000. Quizfrage: Was ist hier falsch?

Eine einfache Notfunkantenne für das 80m Band

P1020484

Bei der ersten Schweizerischen Notfunkübung vom letzten Samstag sind mir die sehr großen Signalunterschiede aufgefallen. Sie sind nicht allein durch unterschiedliche Sendeleistungen erklärbar. Eine wesentliche Rolle werden wohl die unterschiedlichen Antennen gespielt haben.

Für Funkverkehr auf kurze Distanzen auf dem 80m Band muss die Antenne steil strahlen wie ein Springbrunnen. Vertikalantennen sind dazu nicht geeignet. Sie sind Flachstrahler.

Die Antenne muss zu diesem Zweck horizontal aufgespannt werden. Doch immer weniger OM verfügen über den notwendigen Platz, um einen Halbwellen-Dipol für 80m aufzuhängen.  Abhilfe können verkürzte Dipole schaffen. Doch je kürzer die Antenne, desto größer die Verluste.

Auch der Glaube an Wunderantennen hilft da nicht weiter. Weder Bierdosenstrahler noch ominöse Hühnergitter, die angeblich nach eigenen Physikalischen Gesetzen funktionieren sollen.

Was also, wenn der Platz nicht reicht und die Hühnerphysik keine Lösung ist? Was, wenn der gekaufte Draht nur im Garten von Herrn Kelemen funktioniert und nicht zu Hause?

Verlängerungsspulen wickeln, ein ganzes Wochenende Draht abschneiden und ansetzen, nur um am Sonntagabend festzustellen, dass das SWR immer noch Schxxxx ist?

Es gibt eine einfache Lösung um an der nächsten Notfunkübung mit einer Antenne gehört zu werden und ich verrate euch das Rezept dazu. Nein, ihr braucht keine teure CD mit einer Bauanleitung zu kaufen und kein NDA zu unterschreiben.

1. Kauft euch einen automatischen Antennentuner, zum Beispiel einen CG-3000.

2. Kauft eine 50m Rolle Kupferlitze unverzinnt, PVC isoliert. 0.75mm² reicht. Isolation grau, das fällt am wenigsten auf.

3. Schneidet davon 26m ab.

4. Baut damit eine L-Antenne, wie es bereits Generationen von Funkamateuren und Profis vor euch getan haben. 6m hoch, 20m lang. Das heisst: Tuner auf den Boden, mit dem Draht von dort 6m hoch und der Rest horizontal. Bäume, Fahnenstangen, Fiberglasruten, Dachfirste dienen als Befestigungspunkte. Am Ende der Antenne herrscht Hochspannung; dort muss ein anständiger Isolator hin. Die Landi weiss Bescheid ;-)

5. Schneidet nochmals 20m Draht ab und verlegt diese vom Erdungsanschluss des Tuners auf dem Boden direkt unter dem Antennendraht. Einfach ins Gras legen.

Damit besitzt ihr nun eine NVIS-Antenne, welche für den Notfunk bis zu einigen 100km ausgezeichnet funktioniert. Für das 80m Band, aber auch auf für das 60m Band, sollte dies in den nächsten Jahren freigegeben werden. Auch auf 40m funktioniert diese Antenne noch sehr gut als Steilstrahler.

Höher als 6m zu gehen, bringt nicht viel. Wem das schon zu hoch ist: 4m geht mit einer geringen Einbusse auch noch und ist allemal besser als jede Vertikalantenne

Wer 30m Länge unterbringen kann, sollte das tun. Der Lohn dafür ist eine S-Stufe mehr. Das Gegengewicht bleibt aber bei 20m Länge.

Diese Antenne ist rasch aufgebaut, wirkungsvoll und stimmt sich automatisch ab. Ein verkürzter Dipol gleicher Länge auf gleicher Höhe müsste mühsam in Resonanz gebracht und mit einem Balun angepasst werden, wäre schmalbandig und für 60m und 40m nicht zu gebrauchen. Zudem würde die Anpassung an den niedrigen Strahlungswiderstand vermutlich zusätzliche Verluste bringen.

Einzig eine Speisung des verkürzten Dipols über eine Zweidrahtleitung mit einem symmetrischem Tuner wäre eine valable Alternative.

73 de Anton

Bild: Auch einfache Felsen haben manchmal ihre Geheimnisse

Funken ohne Formeln

1000

In der Zwischenzeit habt ihr sicher das dB-Rechnen im Kopf geübt. Zum Beispiel anstelle von Schafe zählen vor dem Einschlafen. Vielleicht habt ihr euch auch an das Gesetz von Ohm gewagt. Für Schweizer ist das besonders einfach. Man muss nur an den Kanton Uri denken: U=RxI. Für unsere deutschen Freunde: das ist ein Kanton, der im wesentlichen aus einer Autobahn mit Stau und ein paar Bergen besteht.

Wer Uri sagt muss auch Pui sagen. Das ist ein exotischer Vogel, der zu Uri gehört. Denn Uri ist ohne P=UxI nur die Hälfte wert. Erst beide richtig kombiniert bringt so nützliche Erkenntnisse wie U=√PxR oder umgekehrt P=U²/R zum Vorschein.

Uri und Pui umzustellen und zu verquicken geht auch vor dem Einschlafen. Ohne Papier und Bleistift.

Es sind die wichtigsten Formeln in der Karriere eines OM. Daneben gibt es noch einige, die man ab und zu im Formelbüchlein nachschaut und andere, die man nie braucht:

Zum Beispiel die, um das Stehwellenverhältnis zu berechnen. Ich hatte auf jeden Fall noch nie das Bedürfnis das SWR zu berechnen. Wieso auch? Dazu habe ich ja eine SWR-Messbrücke. Außerdem ist das SWR gar nicht so wichtig, wie es tut und merken sollte man sich nur, dass bei einem SWR von 1:3 25% der Leistung von der Antenne retourniert werden und bei 1:2 ungefähr noch die Hälfte der 25%, also rund 12%.

Das ist kein Unglück und 25% Leistungsverlust wird kaum eine Gegenstation bemerken. Wie wir bei unseren dB-Schätzungen gemerkt haben ist das ja nur 1dB.

Doch das ist der Wurstfall oder Worst case in englisch. Denn in der Regel werden die 25%, die zurückkommen, postwendend retourniert und wiederum zur Antenne geschickt. Dort werden dann wiederum 25% von den 25% nach Hause gesandt. Und so weiter und so fort. Ein ewiges Hin- und Her. Die Wellen, die zur Antenne laufen, treffen die Wellen, die zurückkommen und sagen ihnen guten Tag, und für den imaginären Beobachter des Antennenkabels schaut es dann so aus, als würden die Wellen auf dem Kabel still stehen. Darum heißen sie auch Stehwellen.

Das alles würde blendend funktionieren, wenn das Kabel zwischen Sender und Antenne keine Verluste hätte. Denn am Ende gingen auch die letzten 25% noch zur Antenne raus, nachdem sie immer wieder hin- und hergeschickt wurden. Doch da es verlustlose Koaxkabel nur bei einigen speziellen CB-Händlern gibt, frisst das Kabel jedesmal einen Teil weg, wenn eine Welle vor-oder zurückläuft.

Und die Moral von der Geschichte ist: Je schlechter dein SWR, desto besser sollte dein Kabel sein.

Nur der Sender hat an der ganzen Geschichte nicht so Freude. Transistorendstufen verringern bei einem SWR ab etwa 1:2 ihre Leistung, um die wertvollen Transistoren zu schützen und den Hersteller vor Klagen zu bewahren. Das ist m.E. auch der einzige Grund, wieso man dem SWR etwas Beachtung schenken sollte.

Wie immer bitte ich die Ingenieure unter meinen Lesern, bei meinen Zeilen tapfer zu bleiben und auf die Zähne zu beißen ;-)

73 de Anton

Bild: Elektrohörnchen. von Mike

Notfunkübung – Change Operator

http://youtu.be/BpFfZW-HJDo

Heute fand die erste Schweizer-Notfunkübung statt. Auf 3760 kHz von 0900 bis 1200 HBT, wie sie hier beschrieben ist. Der Ansturm der Stationen war gewaltig – ein Pile-Up wie bei einer seltenen DX-Station. Das ist ein gutes Zeichen und zeigt das Interesse der OM trotz Unkenrufen und Vorabkritik.

Leider war der Operator der Leitstation dem Ansturm nicht gewachsen. Er hatte Tomaten auf den Ohren, konnte die Frequenz nicht richtig einstellen und kam immer wieder aus dem Takt.

Kein Wunder, dass einige OM ins Plaudern kamen, Dinge erzählten, die nicht gefragt waren und dafür anderes vergassen.

Wie bei einer DX-Expedition steht und fällt die Übung mit der Professionalität der Leitstation. Nächstes Mal sollte man vielleicht einen “Profi” ranlassen.

Der Film zeigt den Anfang der Übung. Man könnte meinen, dass es sich dabei um Anfangsschwierigkeiten handelt, doch im späteren Verlauf wurde es eher schlimmer. Die Leitstation hatte die Szene schlecht im Griff und kam zwischendurch selbst ins Plaudern. Der OP hörte sehr schlecht und musste dauernd rückfragen. Viele schwache Stationen konnte er leider nicht aufnehmen, die hier – einige km weiter – gut zu hören waren.

Immer mehr stellte sich heraus, dass der Mann am Mikrofon wenig Erfahrung hatte. Das ist schade und machte einen schlechten Eindruck. Ich empfehle dringend, beim nächsten Mal einen „Profi“ ans Mikrofon zu lassen.

Bei den anrufenden Stationen war die Bandbreite erwartungsgemäss gross. Von Profi-Amateuren bis Plaudertaschen war alles da. Doch wie gesagt: eine solche Übung steht und fällt mit der Qualität des OPs an der Leitstation.

Zu guter Letzt etablierte sich noch HB9IIE mit einer Runde rücksichtslos zwei Kilohertz darunter auf 3758kHz und splatterte mit seinem breiten Signal in die Notfunkübung. Einmal mit Profis arbeiten!

Natürlich war dann der Ofen endgültig aus.

Im Übrigen ist mir aufgefallen, dass die OM mit den jüngeren Rufzeichen sich oft professioneller verhielten als die alten Hasen.

Hier nochmals ein Ausschnitt, etwa eine Stunde später:

73 de Anton

Mini Ringkernrechner von DL5SWB

Grsv23

Unsere virtuelle Existenz im Web überdauert unsere physische. Schade, dass wir uns nicht komplett hochladen können. Das wäre ein Weg, unsterblich zu werden – zumindest bis jemand den Schalter umlegt.

Das ist offenbar bei Wilfried DL5SWB passiert, der leider Anfang 2014 verstorben ist. Wilfried hat ein geniales Programm geschrieben, das ich beim Basteln immer wieder gerne benutze: einen Ringkernrechner. Ohne Sucherei und Tabellen wählt man den entsprechenden Typ und gibt die gewünschte Induktivität ein. Alle gängigen Typen von Amidon und Epcos (ehemals Siferrit, zB N30-Material!) sind vorhanden, ebenfalls Ferroxcube-Kerne. Auch der Flux gegenüber der Sättigungsgrenze, sowie die Kernverluste und die damit einhergehende Erwärmung werden angezeigt.

Mini Ringkern Rechner DL5SWB

Sogar die benötigte Drahtlänge wird berechnet. So wird das Ringkernwickeln zur Freude!

Leider wurde die Seite mit dem Programm von Wilfried nach seinem Tod gesperrt und sein Programm war nirgends mehr zu finden. Doch jetzt gibt es wieder eine Möglichkeit, dieses geniale Programm doch noch herunterzuladen. Original und virenfrei. Nämlich hier.

Allerdings mit einem kleinen Hindernis. Die Datei ist mit RAR verpackt und nicht mit ZIP. Für die, die RAR nicht kennen: hier ein Gratis-Weg dazu. Ich habe es ausprobiert – es funktioniert. Nur muss man aufpassen, dass einem nicht noch ein Zusatzprogramm untergejubelt wird, das man nicht haben will. In meinem Fall wieder einmal diese unsägliche Ask Toolbar.

73 de Anton

Bild: Mein bester Hut, ein Fedora aus Kalifornien. Schaltungs- und zeitlos ;-)

Steampunk-Hut und Elektronentanz

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Am Flohmarkt in Zofingen wird nicht nur verkauft und gekauft; es kommt auch zu interessanten Begegnungen und Gesprächen. Für mich war auch dieses Jahr der Verkauf meines Surplus-Materials eher Nebensache.

Interessant war zum Beispiel die Begegnung mit Fernando von “FENU-Radio“. Ein SWL mit einer fantastischen Webseite. Fernando ist für mich eine Referenz auf dem Gebiet Rahmenantennen und Funkempfänger und ich besuche gerne immer wieder seine Seiten.

Spannend war auch das Gespräch mit dem legendären Hans Bühler, HB9XJ. Es war für mich eine Ehre, diesen OM und ehemaligen Profifunker kennenzulernen. Hans ist übrigens ein Befürworter der USKA Notfunk-Aktivitäten und seine Argumente sind durchaus bedenkenswert.

Auch um Notfunk ging es im Gespräch mit Markus, HB9AZT. Markus ist ein engagierter Kommentar-Schreiber auf diesem Blog, dessen Beiträge ich sehr schätze. Wer den “Funkamateur” liest, weiß auch, dass er dort für den Schweizer-Beitrag verantwortlich zeichnet.

Ein interessantes Gespräch hatte ich auch mit meinem ehemaligen Sottens-Partner Iacopo Giangrandi, HB9DUL. Auch er unterhält eine höchst interessante Webseite und ich habe schon einiges bei ihm “abgekupfert”. Er hat mich übrigens nach der Schaltung auf meinem Hut gefragt. Hier ist sie:

P1020513

Wer dabei war, weiß, dass mein Hut Signale im 2m Band empfangen konnte und damit eine LED zum Leuchten brachte. Eine Art RF-Sniffer also. Es war übrigens für mich das erste Mal, dass ich eine Schaltung auf Leder gebaut habe – ein Erlebnis der besonderen Art. Natürlich habe ich nicht meinen besten Hut für dieses Experiment geopfert ;-)

Ein interessantes Detail dieses Empfängers ist die abgestimmte Magnetantenne. Der Trick dabei ist, dass die Antennenschlaufe zusammen mit der Kapazität der Diode einen Serie-Schwingkreis bildet. Je nach Diode muss man also die Drahtschleife etwas variieren um in Resonanz zu kommen. Ein Grid-Dip-Meter hilft in diesem Fall. Darum spricht der Hut auch nur auf Signale im 2m Band an. Auf Mobiltelefone oder 70cm Signale reagiert er nicht, bzw. nur auf kürzeste Distanz.

Meiner XYL  machte der Hut aber keinen besonderen Eindruck. Sie war eher begeistert von Andys Konstruktion: “Der leuchtet nicht nur, dort kommt sogar Schnaps raus. Der ist viel besser!”

rP1050535

Iacopo, der meine Glühlampe aus der Fabrik Righi-Licht bewunderte, machte mich übrigens darauf aufmerksam, dass gewisse Glühlampen mit langen Glühfäden auch den Funk stören können. Verantwortlich ist der sogenannte Elektronentanz. Die Glühlampe wird unter gewissen Umständen zu einer Laufzeitröhre. Ein Phänomen, dass auch schon im Radiomuseum diskutiert wurde. Diese Seite ist übrigens auch legendär – ein Wissensschatz ohnegleichen mit vielen Koryphäen.

73 de Anton

Zugabe OT: Hattet ihr auch schon mal einen Close Call? Achtung! Dieses Video ist nichts für schwache Nerven. Passt gut auf euch auf!

Formeln: was der OM wirklich braucht.

Aussichtspunkt

Für die Prüfung büffeln wir Formeln, doch kaum ist die Prüfung vorbei, haben wir die Hälfte wieder vergessen.

Das ist kein Problem, denn schliesslich gibt es das Internet und Formelbüchlein und zweitens brauchen wir das meiste sowieso nie in unserer Ham-Karriere.

Zum Beispiel das dB-Rechnen.

Diese Formeln können wir samt dem Taschenrechner vergessen. Was wir einzig und allein wissen müssen sind zwei Werte: 3dB und 10dB. Und zwar nur für Leistung. Dass man dB auch für Spannung braucht, ist für die meisten OM irrelevant. Denn auf die Dauer hilft nur Power.

Und dann sollten wir uns noch das dBm merken. Das bezieht sich auf den Referenzwert 0dBm = 1mW.

dB’s lassen sich bekanntlich addieren und subtrahieren, während man die zugehörigen Faktoren multiplizieren, bzw. dividieren muss.

Doch zurück zu den zwei Werten, die man wirklich wissen muss: 3dB und 10dB.

3dB bedeutet eine Verdoppelung der Leistung, 10dB eine Verzehnfachung.

20dB, also 10dB + 10dB wären dann 10×10=100, oder

13dB, also 10dB+3dB sind 10×2=20.

So einfach ist das. Doch was sind zum Beispiel 7dB?

Nun, das sind 10-3dB. Also 10/2=5.

Nun wissen wir also bereits, wieviel zum Beispiel 17dB sind. Nämlich

10+7dB, also 10×5=50

Bisher haben wir also weder eine Formel noch den Taschenrechner benutzt, nur unseren Kopf. Und so geht es weiter im Text.

Natürlich wissen wir jetzt, wieviel 9dB sind. Nämlich 3dB+3dB+3dB oder eben

2x2x2=8.

Und jetzt wird es spannend: denn wenn 10dB das Zehnfache und 9dB das Achtfache sind, wissen wir auch was ein einziges dB ist: nämlich 10/8, gekürzt 5/4 und das sind bekanntlich 1.25. Das heisst 1W um 1dB verstärkt sind 1.25W. Oder 1dB Verlust sind 4/5, also 0.8. Uiuiui, da hat doch das teure Koax nur 1dB Verlust und schon kommen von den 100W nur noch 80 bei der Antenne an.

Soweit so gut. Bis hierher hat der Kopf noch mitgemacht. Schliesslich wurde uns das Rechnen ja in der Grundschule eingetrichtert.

Doch was sind zum Beispiel 2dB?

Nichts leichter als das:

12dB sind das 16fache (3+3+3+3dB, also viermal eine Verdoppelung) und 10dB das Zehnfache. Also 16/10 = 1.6

Wer mit der Formel nachrechnet, wird jedoch feststellen, dass das nicht genau stimmt. Das liegt daran, dass ich etwas geschummelt habe. 3dB sind nämlich etwas mehr als das Doppelte ;-). Doch das spielt in der Praxis keine Rolle. Wir sind ja Amateure und keine Profis.

Bleibt nur noch ein Wert, den wir gerne rausfinden würden: 5dB.

Nun 6db sind das Vierfache und 1dB weniger 4/5 davon, wie wir festgestellt haben. Also 4×4/5 sind 16/5 oder 3.2

Wie gesagt, das stimmt nur für Leistungsberechnungen und nicht ganz genau.

Was müssen wir sonst noch wissen? Widerstand eines Drahtes? Dafür gibt’s Ohm-Meter.

Doch das Ohmsche Gesetz ist ein Muss und ebenfalls die Leistungsberechnung P=Spannung mal Strom.

Wenn wir dann noch wissen, dass aus einer Schaltung immer gleichviel Strom rausfliesst wie reinfliesst, haben wir schon gewonnen ;-)

Fortsetzung folgt

Bild: Otsamo

Zofingen 2014…

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…war eine Reise wert. Wie immer gut organisiert und gut besucht. Und im Gegensatz zu dem Schrottmarkt in Friedrichshafen auch in der Regel mit vernünftigen Preisen.

Doch die Surplus Party in Zofingen ist nicht nur eine alljährliche Umschichtung von Funkmaterial, sie ist vor allem auch ein sozialer Event. Man trifft viele Freunde aus nah und fern, die man sonst nur von der Stimme oder aus den CW-Zeichen kennt.

Ich weiss nicht, wie es gekommen ist, aber auch diesmal stand ich wieder auf der Verkäuferseite. Obschon ich durch das Jahr hindurch immer wieder beteuert hatte, dass ich jetzt wirklich alles verkauft und wirklich nichts mehr anzubieten hätte.

Und so hatte ich wieder das Vergnügen, allen Archetypen von Käufern zu begegnen, die auf der anderen Seite des Tisches vorbei schlenderten. Meistens mit ernsten Mienen, hochkonzentriert um ja kein Schnäppchen entwischen zu lassen.

Da gibt es zum Beispiel die Spezialisten, die sich für 18 Franken einen Meter Tisch kaufen, nur damit sie einen Parkplatz bei der Halle bekommen und bereits auf Schnäppchenjagd gehen können, wenn die Verkäufer noch am Einrichten sind. Während man seine Waren auf den Tisch tischt, nerven sie mit:

“What is your last price?”

Oder der bärtige Herr, der überall und bei jedem Teil nach dem Preis fragte und nie was kaufte. Denn gleich was man ihm auch als Preis nannte, er fand es immer zu teuer. So zum Beispiel:

„Was kostet das?“

„Einen Franken.“

„Das muss ich mir noch überlegen.“

Natürlich gab es auch immer wieder interessante technische Fragen zu beantworten. So zum Beispiel folgende:

„Ist diese Antenne auch für CW?“

Als Autor von Antons Funkperlen kannten mich natürlich sehr viele Funkamateure, wird doch dieses Blog täglich von Hunderten aus der Schweiz, Deutschland und aus Österreich gelesen. So kannten mich viele OM, die ich nicht kannte. Das ist manchmal etwas peinlich. Doch mit einer einzigen Ausnahme waren alle sehr  freundlich. Viele lobten die Funkperlen, auch wenn sie nicht immer mit allem einverstanden sind, was ich so in die Tasten haue. Und das ist auch gut so. Ich bin auch nicht mit allem einverstanden, was ich in der Zeitung lese.

Doch einer war stinksauer. Kaum hatte er mich ausgemacht, erklärte er mir, ich sei ein „Dubeli“ und dass ich den grössten Seich geschrieben hätte. Volles Rohr und Wut im Bauch. Ein Dubeli ist im Prinzip ein kleiner Dubel und daher nicht so schlimm ;-) Dumm nur, dass ich sein Problem nicht begriff, sonst hätte ich dem guten OM vielleicht helfen können.

Dabei ging es übrigens weder um die USKA, noch um den Notfunk oder Hamsphere.

Apropos: Gerade punkto Notfunk hatte ich einige spannende Diskussionen und hörte ein paar interessante und für mich neue Argumente.

Wie dem auch sei. Es hat wieder riesig Spaß gemacht und mein Dank geht an die Organisatoren dieses wunderbaren Anlasses.

73 de Anton

Und hier als Zugabe noch drei Videos von den Steampunkern:

Bilder+Videos: Danke Hansjörg HB9EWH

Brauche ich einen TCXO?

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Mit 1529 Aufrufen verzeichnete gestern Anton’s Funkperlen einen Besucherrekord. Dank Not- und virtuellem Funk. Höchste Zeit mich wieder technischen Problemen zu widmen.

Ein TCXO, also ein Temperatur kompensierter Referenzoszillator, wird für viele Transceiver als Option angeboten. So zum Beispiel für die beliebte Yaesu-Reihe FT-817, FT-857, FT-897, oder auch für den Kenwood TS-590. Und dieses sind – wie die optionalen Quarzfilter – elend teuer. Nun gibt es Alternativen aus China. Anstatt 100-150$ kostet so ein TCXO-Klon etwas über 20$, free shipping.

Hier der originale TCXO-9 für die Yaesu-Geräte:

tcxo so-9

Und hier der Klon aus China:

TCXO-9-FOR-FT-817-857

Sieht gut aus, ist auch gut, wenn man den Diskussionsbeiträgen in den einschlägigen Yahoo-Gruppen glauben will. Doch einen entscheidenden Nachteil hat das günstige Teil: Im Gegensatz zum Original muss es nämlich kopfüber eingebaut werden. Und damit ist die “Abstimmschraube” unten und somit nicht mehr zugänglich. Der OM muss also darauf vertrauen, dass der TCXO bereits perfekt abgeglichen ist.

Nach meinen Erfahrungen war das zumindest bei den Originalen nie der Fall.

Doch braucht man überhaupt so einen TCXO?

Der FT-817 hat ohne diese Option eine Frequenztoleranz von +/- 4ppm (Parts per Million) nach einer Minute Anlaufzeit. Bei Raumtemperatur!

Für Elektronik-Dummies: Ich kann meine MHz mit dem ppm-Wert multiplizieren.

Das bedeutet, dass er im 20m Band maximal  +/- 56 Hz umherlatschen kann. Bei Raumtemperatur, versteht sich. Draussen bei Schneesturm oder Sommerhitze darf es natürlich wesentlich mehr sein. Doch tragisch ist das nicht. Ausser für die extrem schmalbandigen digitalen Betriebsarten.

Doch auf 2m sieht es bereits düsterer aus: gut +/- ein halbes Kilohertz bei Raumtemperatur macht der FT-817 ohne TCXO-9. Und im 70cm Band sind es dann ganze +/-  1728 Hz. Draussen in der Natur können es natürlich mehr sein und bei einem Sked mit schwachen Signalen kann man die Gegenstation vielleicht verfehlen.

Der optionale TCXO verspricht +/- 0.5ppm und ist daher 8x besser. Für das 20m Band bedeutet das +/- 7Hz bei Raumtemperatur, und für 70cm noch akzeptable 216 Hz.

Mein schlimmster Patient in dieser Hinsicht ist der IC-910. Ohne optionalen TCXO ist das Teil kaum brauchbar und rutscht im 23cm Band auch bei Raumtemperatur mehrere Kilohertz ab. Aber auch mit TCXO ist er ziemlich wanderlustig. Vor drei Monaten nachgetrimmt, ist er heute auf 23cm schon wieder mehr als 200 Hz neben den Schuhen.

73 de Anton

Bild: Andere Länder, andere Masten. Aufgenommen in der Nähe des Inari-Sees.

Das Amateurfunkspiel

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Wir OM neigen dazu, unser Hobby überzubewerten. Dabei ist es doch nur eine Freizeitbeschäftigung wie TV-Gucken oder Kaffeerahm-Deckel sammeln. Amateurfunk ist – seien wir ehrlich – bloß ein Spiel. Im Cluster gucken, wer wo gemeldet ist, dann vor die Kiste und Fünf-Neun brüllen. Besondere Fähigkeiten braucht’s dazu nicht. Das schafft man mit einem IQ im unteren VHF-Bereich.

Wenn nur die Lizenz nicht wäre. Wer braucht schon Ohms Gesetz und dB zum 59-Brüllen? Und dann ist da noch ein anderes Hindernis, das nervt: die Antenne mit ihren Nachbarn, der Baubewilligung und der XYL.

Doch für das Amateurfunkspiel braucht es weder Lizenz noch Antenne. Man kann es auch über das Internet spielen, wie ich das bereits früher in diesem Blog berichtet habe.

Wem das bisher zu langweilig war, der sollte seine Haltung nochmals überdenken. Denn jetzt ist das Amateurfunkspiel noch viel spannender geworden.

Hamsphere simuliert jetzt auch die Ionosphäre, basierend auf aktuellen Solardaten. Doch damit noch nicht genug: Jetzt können die Spieler auch basteln. der virtuelle OM kann sich seinen eigenen Transceiver und sogar seine Antenne bauen. Und da das alles auf seinem PC stattfindet, braucht’s weder Lizenz noch Antennenbewilligung.

Aha, sehe ich da noch einige Leser müde lächeln? Das wird euch bald vergehen. Denn jetzt ist auch der berühmte DXpeditionär Martti Laine, OH2BH, auf den Trichter gekommen. Wie bereits von den Azoren, wird er auch bei seinen zukünftigen Expeditionen auf Hamsphere QRV sein, so unter anderem vom Market Reef ∅JOB. Das Internet zapft er einfach via Satellit an.

Und so schließt sich der Kreis: Der Spieler guckt auf Internet wo die Expeditionen sind und “arbeitet” sie dann via Internet. Eigentlich logisch, nicht?

Für mich als Hardcorefunker ist das positiv und ich kann Marttis Initiative* nur unterstützen. Ja, ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und fordere, dass man sämtliche Conteste auf Hamsphere verlegt. Und in der USKA sollte man sich überlegen, ob man nicht auch den Notfunk dorthin verlagern könnte – zu den Amateur-Simulanten ;-)

73 de Anton

Bild: Cliffhanger – wohnen am Abgrund

* aus den IARU News: The Council received information about the Hamsphere Initiative from Martti Laine, OH2BH. The Council will review the initiative and seek further information from the project leaders.

Und hier als besondere Zugabe: alle Schweizer Rufzeichen die auf Hamsphere registriert sind. Es sind 269 Stationen ROFL

HB0BB
HB0SUB
HB0ZEB
HB3HTC
HB3YBF
HB3YCG
HB3YCI
HB3YCS
HB3YCZ
HB3YDL
HB3YKA
HB3YKW
HB3YLT
HB3YNC
HB3YNI
HB3YTJ
HB3YVK
HB3YVP
HB3YWA
HB3YYF
HB3YZL
HB4FG
HB9ABH
HB9ADC
HB9ADJ
HB9AEV
HB9AFT
HB9ALK
HB9ANF
HB9AOF
HB9ARK
HB9ARP
HB9AS
HB9ATE
HB9ATX
HB9AUS
HB9AXG
HB9AZH
HB9AZW
HB9BAX
HB9BAZ
HB9BCI
HB9BCK
HB9BGC
HB9BIN
HB9BMC
HB9BNC
HB9BNV
HB9BOO
HB9BRU
HB9BTI
HB9BTL
HB9BTQ
HB9BUJ
HB9BUN
HB9BXG
HB9BXX
HB9CAM
HB9CCE
HB9CCU
HB9CDJ
HB9CH
HB9CKL
HB9COP
HB9CPH
HB9CRO
HB9CSM
HB9CUI
HB9CVB
HB9CVC
HB9CVM
HB9CYJ
HB9CZZ
HB9DAB
HB9DBM
HB9DCM
HB9DDS
HB9DDW
HB9DES
HB9DHG
HB9DHY
HB9DIA
HB9DJ
HB9DKG
HB9DLI
HB9DMQ
HB9DNP
HB9DPD
HB9DPH
HB9DPJ
HB9DPZ
HB9DQD
HB9DQG
HB9DQK
HB9DSF
HB9DSK
HB9DTC
HB9DTK
HB9DUO
HB9DUR
HB9DVO
HB9DWF
HB9DWS
HB9EDB
HB9EDF
HB9EDL
HB9EDR
HB9EDV
HB9EFL
HB9EGA
HB9EGP
HB9EGW
HB9EGZ
HB9EHO
HB9EIV
HB9EIZ
HB9EKB
HB9EKC
HB9EKP
HB9ELN
HB9ELZ
HB9EMG
HB9EMO
HB9EMQ
HB9EMS
HB9EMX
HB9ENR
HB9EOI
HB9EON
HB9EPK
HB9EPM
HB9ERB
HB9ERC
HB9ERF
HB9ERN
HB9ERQ
HB9ERT
HB9ERX
HB9ESF
HB9ESI
HB9ESL
HB9EST
HB9ETH
HB9ETR
HB9EWB
HB9EXF
HB9EXO
HB9EYQ
HB9EYR
HB9EZZ
HB9FAO
HB9FAW
HB9FAX
HB9FBG
HB9FBJ
HB9FBS
HB9FDH
HB9FEC
HB9FES
HB9FEX
HB9FGF
HB9FGK
HB9FGO
HB9FIE
HB9FIR
HB9FMC
HB9FND
HB9FNE
HB9FOI
HB9FON
HB9FPS
HB9FPU
HB9FPV
HB9GBS
HB9GBY
HB9HAT
HB9HFJ
HB9HFK
HB9HLM
HB9HLP
HB9IAL
HB9IAT
HB9ICJ
HB9IIY
HB9IQR
HB9IRI
HB9IRJ
HB9IRM
HB9JBQ
HB9JOE
HB9JQQ
HB9KNW
HB9KOQ
HB9LAJ
HB9LCX
HB9LFU
HB9LUF
HB9MDP
HB9MHY
HB9MLF
HB9MOON
HB9MVW
HB9MXO
HB9MXY
HB9MZI
HB9OAB
HB9OAE
HB9OBO
HB9OCU
HB9OI
HB9OPU
HB9OX
HB9PLB
HB9POX
HB9QN
HB9RHM
HB9RLW
HB9RNP
HB9ROY
HB9RS
HB9RSW
HB9RUO
HB9RYE
HB9RYJ
HB9SBL
HB9SIS
HB9SIU
HB9SJV
HB9SKR
HB9SLF
HB9SMU
HB9SOF
HB9SOO
HB9STO
HB9STX
HB9SUB
HB9TIH
HB9TJG
HB9TJT
HB9TKZ
HB9TMC
HB9TMI
HB9TNU
HB9TNW
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HB9TPR
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HB9TWO
HB9TWU
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HB9UAG
HB9UFC
HB9UQX
HB9UVW
HB9VCN
HB9VCO
HB9WKB
HB9XAR
HB9ZAG
HB9ZAZ

Düstere Wolken am USKA Not-Himmel?

und die Herde zieht weiter

Nicht alle OM sind mit dem von der USKA angeleierten Amateur-Notfunk einverstanden. In letzter Zeit haben mich viele kritische Stimmen erreicht. Hier ein Auszug aus einer Mail, die ich heute erhalten habe. Name und Rufzeichen des OM sind mir bekannt, will ich aber nicht ohne sein Einverständnis preisgeben:

Ich bin ein Freund des Notfunkes und angefressener Funkamateur. Nur, meine Vorstellungen eines „Notfunkes“ sind halt anders gelagert. Einer neuen 80m Runde am Samstagmorgen unter Nennung von drei lokalen VHF/UHF Repeatern kann ich wirklich nichts abgewinnen. Logdateien von Samstag-vormittäglichen Verbindungen im 80m Band liegen aus den letzten 30 Jahren aus den H26 Wettbewerben zur Genüge vor.

Am 4. und 5. November findet das erste Modul SVU 14 Statt. Zuvor musste doch der Willi noch schnell eine Notfunk- Übung abhalten. Es wird eine aus der Not geborene Aktion bleiben. Ich hoffe, dass deren Resultate nie veröffentlicht werden. Solche Resultate verursachen bei Profis nur ein müdes Lächeln und sind kontraproduktiv.

Schweizweiter Notfunk – wenn überhaupt notwendig und/oder sinnvoll – wird immer ein äußerst schwieriges Thema bleiben.

Irgendwann muss man ja beginnen, habe ich bei dir gelesen. Ja, das ist vielleicht richtig. Aber wenn, dann bitte richtig und vorbereitet, mit klarem Kopf und mit Verstand. Möchtegerne- Notunk- Neuralgiker haben in diesem Feld nichts verloren.

Wenn sich eine Gruppe diesem Thema widmen sollte, wäre die Ausarbeitung eines Konzeptes mit Beantwortung diverser Fragen sinnvoll. Die Tagung in Bern, an der ich anwesend war, hat keinen Vorstoss in dieser Richtung unternommen.

Mir bereiten solche Vorgehensweisen zunehmend Mühe. Viele rutschen weit unter die Mittelmäßigkeit. So auch die KW/UKW Tagung am diesjährigen Hamfest. Es war eine Katastrophe wie auch das „Fest“ selbst. Ich habe noch nie eine dümmere und nutzlosere Sitzung erlebt. OM aus dem Tessin haben sich noch während der Tagung massiv beschwert!

Ich sehe düstere Not- Wolken über dem USKA Funk.

Soweit die Kritik aus kompetenter Feder. No comment, aber mit den besten Grüssen, Anton

Bild: Die Herde zieht weiter.

Schweizer Notfunkübung 1. November

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Endlich wird’s konkret. Das Rätselraten ist beendet. Die USKA hat das Datum und den Übungsablauf publiziert. Und zwar hier:

http://uska.ch/fileadmin/download/USKA/2-dynamic/notfunk/2-dyn/2014_Notfunkuebung/USKA_Notfunkuebung_November_2014.pdf

Den Ansatz finde ich gut. Irgendwann und irgendwie muss man ja mal beginnen, Nägel mit Köpfen zu machen. Heiße Luft wurde bereits zur Genüge ventiliert. Und es hat keinen Sinn, jetzt über das “Schema” zu streiten.

Viel Erfolg!

PS. Heute Abend wäre eine solche Übung aber noch wesentlich interessanter, bzw. realistischer. Für die Schweiz wird z.Z. vor Sturm/Orkan gewarnt. Mal sehen, wie manche 80m Antenne noch oben bleibt ;-)

To Funk or Not Funk

G0ISW

Gestern Abend wurde ich plötzlich ohne Not mit Notfunk zugemailt. Es gäbe da einen Bloger in der Nähe, der sich lustig mache, meinte einer. Wen er da wohl gemeint hat?

Wie dem auch sei: Wir brauchen engagierte OM. Und ich hoffe, dass es mit der Schweizerischen Notfunk-Übung klappt, nächsten Monat. Sonst werden wir uns nämlich lächerlich machen. Dann können wir nur noch Antennen bauen, wie oben im Suchbild. Vieles scheint vielen noch etwas nebulös zu sein. Etwas Licht ins Dunkel bringt Oliver HB9EUF. Er schrieb:

Unsere Rolle als Funk Amateur besteht darin, an einem zurzeit noch nicht bekannten Samstagmorgen falls möglichst autark QRV zu sein, um Verbindungen mit den erreichbaren OM herzustellen und ihnen eine Kurzmeldung zukommen zu lassen. Anschliessend senden wir unsere Logs an notfunk@uska.ch . Diese werden dann ausgewertet und in einem Bericht zusammengefasst. Damit können wir unsere Bereitschaft unter Beweis stellen.

Danke, Oliver, und viel Erfolg.

Der Notfunk hat mich auch im Traum nicht mehr losgelassen und ich habe von meinem Einsatz geträumt:

Ich war gerade während eines CW-QSOs eingeschlafen, da klingelte jemand wie sturm an der Tür. Aha, dachte ich, Sonja, die Briefträgerin bringt wieder einen Pack QSL. Doch an ihrer Stelle stand da einer, der aussah wie ein Alien. Von Kopf bis Fuss in einen Plastik-Anzug gehüllt, das Gesicht hinter dem Sichtfenster kaum zu erkennen. Besuch vom Mars?

„Hallo Anton. Ich bringe dir die neuste Meldung, du musst sie sofort nach Bern durchgeben.“

Es war der Böppel. Doch wieso steckte er in dieser Verkleidung? War heute Halloween?

„Hallo Kari. Was ist denn passiert?“

„Das Dorf steht unter Quarantäne und ist abgeriegelt. Keiner geht raus, keiner kommt rein. Ebola, du weisst schon.“

Nein, das wusste ich nicht. Ich konnte mich ja nicht einmal an das CW-QSO vor dem Einschlafen erinnern.

„Aber ich muss heute noch ins Migros. Uns ist der Kaffeerahm ausgegangen.“

„Daraus wird nichts“, meinte Kari. „Du bist unsere Verbindung zur Aussenwelt. Der Präsi hat in der Liste nachgesehen. Du bist Notfunker.“

Ich betätigte dreimal den Lichtschalter neben der Tür. Das Licht ging an und aus.

„Aber wir haben ja noch Strom. Wieso benutzt ihr nicht einfach das Telefon oder das Internet?“

„Der Strom kann jeden Moment ausgehen. Das EW steht auch unter Quarantäne, die Techniker schlafen im Maschinensaal. Siehst du denn kein Fernsehen?“

„Nein, ich mache SSTV.“

„Also los jetzt. Ich muss weiter. In einer Stunde bin ich wieder zurück. Dann hast du sicher die Antwort aus Bern.“

Ich ging wieder in die Funkbude zurück. Dort kurbelte ich auf die Notfrequenz im 80m Band.

„Hallo Bern, Hallo Bern, hier HB9ASB, können Sie mich aufnehmen?“

Wie aus der Pistole geschossen, dröhnte die Antwort aus dem Lautsprecher:

„HB9ASB von HQ, verstanden, antworten.“

„QSL HQ, Sie sind Fünf und Neun. Mein Name ist Anton…ich wiederhole: Anton und mein QTH ist Cordast…ich buchstabiere…“

„…Verstanden, geben Sie Ihre Meldung durch.“

Der war aber kurz angebunden. Das war doch nur eine Übung, oder etwa nicht?. Ich blickte auf das Blatt, das mir der Kari gegeben hatte. Dort stand: Fritz Schattacker Ebola Stufe 3. Zwei seiner Kühe ebenfalls erkrankt. Senden Milchprobe per Quadkopter.

„HQ, ich habe folgende Meldung für Sie: Den Schattacker Fritz hat es auch erwischt und zwei seiner Kühe haben ebenfalls Ebola. Wir werden die Milch mit der Drohne schicken.“

„Verstanden HB9ASB, bleiben Sie auf Empfang und in Funkbereitschaft, HQ Ende.“

„Beste 73 HQ und übrigens: Sie sind immer noch Fünf Neun.“

In diesem Moment klingelte es wieder wie Sturm an der Tür. Es war wieder der Böppel Kari.

„Hast du schon Antwort aus Bern?“, fragte er atemlos. Sein Gesicht war nicht zu sehen, die Scheibe seines Anzugs war angelaufen.

„Nein, aber komm doch rein. Du nimmst sicher einen Schnaps?“

„Nichts lieber als das. Ich halte es in diesem Ding nicht länger aus.“

Kari zog den Ganzköper-Pariser aus und hängte ihn an den Ständer. Sein Gesicht war krebsrot, die Haare hingen ihm verschwitzt ins Gesicht. Er hustete. Doch nach drei Schnaps ging es ihm besser und als keine Antwort von Bern kam, schlüpfte er widerwillig wieder in seinen Anzug und trottete davon.

Komische Übung, dachte ich. Ich wollte gerade ins Auto steigen, um Kaffeerahm zu holen, da hörte ich im Lautsprecher:

„HB9ASB von HQ, antworten.“

„Roger HQ, Sie sind Five and Nine. Aber jetzt haben Sie den Böppel gerade verpasst.“

„Nicht verstanden, wiederholen…“, hörte ich gerade noch, bevor das Licht ausging.

„Scheibenkleister“, sagte ich. Ich musste den alten Akku aus dem Keller holen. Hoffentlich hatte das Teil noch Saft.

In diesem Moment klingelte es wieder an der Tür:

Diesmal war’s nicht der Böppel, sondern einer der Orangen, die normalerweise das Strassenbord mähen. Auch er im Pariser.

„Ich habe eine Nachricht zum Durchgeben“, sagte der Mann.

Ich schaute auf das Blatt: Karl Böppel Ebola positiv, stand dort. Was zum….hatte er etwa einen Schnaps zuviel getrunken?

Als ich den alten Autoakku aus dem Keller hochschleppte, wurde mir schwindlig. Hoffentlich hatte mich der Böppel nicht angesteckt. Ich schloss den Transveiver an, die Frequenz war ruhig, das S-Meter auf Null. Keine Störungen von PLC, Schaltnetzteilen und Plasmafernsehern wie sonst.

„Hallo HQ, hallo Bern, hier ist HB9ASB aus Cordast. Können Sie mich aufnehmen?“

Der Akku hatte Mühe, die Skalenbeleuchtung flackerte im Takt der Modulation.

Bern antwortete nicht mehr.

Bild: Im Garten von GØISW. Wo ist die Antenne?

 

 

 

Allerlei Neuigkeiten

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Die Pillen, die mir der Onkel Doktor verschrieben hat, sind zwar ein Pakt mit dem Teufel aber sehr wirksam und so möchte ich ich die Zeit nutzen, ein paar News zu berichten, über die ich gestolpert bin.

Der TS-590 von Kenwood ist ein Auslaufmodell. Er wird im November durch den TS-590SG ersetzt werden. Mit neuen Features und einer verbesserten DSP, und hoffentlich ohne ALC-Problem. Doch die Besitzer der “alten” Geräte werden nicht im Stich gelassen: Für Januar 2015 ist ein Software-Update angekündigt (2.0), das auch einen Teil der Verbesserungen des Nachfolgers beinhalten soll. Was mich betrifft: Ich bin nach wie vor sehr zufrieden mit meinem TS-590. Optisch ist der Unterschied kaum erkenbar. Doch punkto Hardware scheint sich einiges getan zu haben, und die kann natürlich nicht per SW aufdatiert werden.

TS-590SG_TS-590S

Zu dem Ultimate 3 von Hans Summers gibt es jetzt ein Gehäuse. Der kleine Bakensender für WSPR, QRSS etc. wird fortlaufend weiterentwickelt. Die neuste SW Version ist jetzt 3.05

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Für die LW/MW-SWL’s wird der Aether immer dünner: Jetzt will auch RTE aus Irland die Langwelle an den Nagel hängen. Der Sender auf 252 kHz, der auch bei uns in Zentraleuropa gut zu hören ist, soll abgestellt werden. Aber auch auf Kurzwelle geht das Sendersterben weiter. Man setzt lieber aufs Internet und Satelliten.  Radio Exterior de Espagna hört nächsten Mittwoch auf! Dafür schwimmt JRC gegen den Strom. Das japanische Unternehmen bringt einen neuen Kurzwellenempfänger auf den Markt. Doch wie könnte es anders sein: es ist natürlich ein SDR:

JRC-NRD-383

Auch der Herausgeber des World Radio and TV Handbooks lässt sich nicht beirren. Auch nächstes Jahr ist wieder eine Ausgabe geplant. Aber es gibt noch ein anderes Buch, das OM, SWL und Funk-Nostalgiker brennend interessieren dürfte. Fred Osterman’s SHORTWAVE RECEIVERS PAST AND PRESENT soll neu überarbeitet wieder erscheinen. Ich habe mir auf jeden Fall mal ein Exemplar vorbestellt.

Dass die heutigen Amateurfunkempfänger in der Regel sehr gut sind, lässt sich nicht bestreiten. Moderne Amateurfunkgeräte können kommerziellen Empfängern, die auf dem Gebrauchtmarkt herumschwirren, durchaus die Stange halten. Doch beim Sendeteil sieht es leider nicht so gut aus, wie ich hier in diesem Blog auch schon angetönt habe. Da nützt dann auch der beste Empfänger nichts, wenn das Band zugesplattert und zugerauscht wird. K9YC hat sich nun diesem Thema angenommen und eine Reihe von Transceivern auf Phasenrauschen und Tastclicks untersucht. Es lohnt sich, seine aufwändige Arbeit zu studieren.

Zum Schluss noch eine interessante technische Frage, der ich kürzlich nachgegangen bin. Was zirkulare Polarisation ist und wie eine solche Antenne in der Regel aussieht, wissen wir alle. Grosse Bedeutung hat diese Polarisation im Amateurfunkdienst nie gefunden. Sie ist weder Fisch noch Vogel und sowohl bei Gegenstationen mit horizontaler wie auch mit vertikaler Polarisation muss man mit einem Verlust von ca. 3dB rechnen. Und wer will heutzutage schon so ein komisches Schraubengebilde auf dem Dach, das die Nachbarn an einen verrückten Professor mit seiner Strahlenkanone denken lässt? Trotzdem wäre so ein zirkulare Polarisation in gewissen Fällen praktisch. Hier in der Gegend läuft zum Beispiel eine SSB-Runde auf 2m, bei der viele OM nur ihre vertikale FM-Spargel verwenden. Und zwischen horizontaler und vertikaler Polarisation kann die Dämpfung gut mal 20dB betragen.

Da wäre es doch ganz praktisch, so ein Zwischending zu haben. Keine Yagi, nur ein einfaches unauffälliges Gebilde. Wenn es nur möglich wäre, aus einem simplen Dipol zirkular zu senden.

Das ist möglich, liebe OM. Denn die UKW Rundfunksender haben genau das gleiche Problem. Ob der Radiohörer die Teleskopantenne vertikal oder horizontal stehen hat, weiß die Rundfunkstation ja nicht. Also sendet man zirkular. Und das sieht dann zum Beispiel so aus:

Zirkulardipol

Hier eine interessante Seite von WA7X zu diesem Thema: The Cycloid Dipole.

73 de Anton

Oberstes Bild: Licht und Schatten (Georges du Verdon)

Funkperlen Quo Vadis?

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Liebe Leser

Ihr habt es sicher bemerkt: meine Blogeinträge werden seltener. Das liegt nicht am Stoff; es gäbe noch so vieles zu berichten.

Es liegt an meiner Gesundheit, die seit diesem Frühjahr meine Aktivitäten beschränkt. Konzentration auf das Wesentliche ist angesagt, und meine beiden Blogs gehören nicht dazu. Ob, wann und wie viele Beiträge ich in Zukunft noch schreiben werde, kann ich nicht sagen. Aber selbstverständlich bleibt dieses Blog offen und zugänglich. Ich werde auch die zeitliche Begrenzung der Kommentarfunktion aufheben und ab und zu die Links in der rechten Spalte auf den neusten Stand bringen.

73 de Anton

Die Gefängnis-Expedition

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Bisher habe ich kaum über DX Expeditionen berichtet. Das liegt daran, dass ich kein DXer bin. Doch das war nicht immer so.

Wer kein Young Timer unter den DXern ist, kann sich sicher noch an den legendären Romeo Stephanenko erinnern. Er wurde 1961 in der Ukraine geboren – damals gehörte diese noch zur Sowjetunion. Sein Vater war Funkamateur (heute noch aktiv als UZ1RR) und auch Romeo begeisterte sich für dieses Hobby und erhielt das Call UB5JRR

Romeo heiratete Alyona und sie hatten eine Tochter. Auch Alyona machte die Lizenzprüfung und erhielt das Call UT5JTA. Damit konnten die beiden in Kontakt bleiben, als Romeo für ein Projekt 1989 nach Vietnam versetzt wurde.

Allerdings war es bisher unmöglich gewesen, in Vietnam eine Funklizenz zu erhalten und entsprechen begehrt war dieses Land unter den DXern.

Was andere vergeblich versucht hatten, gelang Romeo. Er erhielt das Call 3W3RR. Das Pileup auf den Bändern war riesengross. Doch Romeo war ein ausgezeichneter Operator und bekannt für einen zuverlässigen und raschen QSL-Versand.

Damals wie heute wurden für das Rückporto Dollarnoten beigelegt. Oft mehrere Dollar, da die Absender dachten, ihre Chance zu erhöhen, eine QSL zu erhalten. Der Versand kostete aber damals aus Vietnam und der Sowjetunion nur den Bruchteil eines Dollars – schließlich waren die grünen Zettel damals noch etwas wert. Allerdings nicht mehr so viel wie 1972 als ich zum ersten Mal in den USA war. Damals kostete der Dollar über vier Franken.

Trotzdem: Romeo machte mit dem Überschuss aus dem QSL-Porto ein gutes Geschäft. Für eine Handvoll Dollar liess sich in der damaligen Sowjetunion ganz gut leben.

Das ermöglichte Romeo weitere DX-peditionen und er machte sich auf, an Orten aktiv zu werden, wo noch nie zuvor ein Funkamateur gewesen war. Sein nächstes Ziel war Spratly. Die Spratly-Inseln waren damals wie heute ein höchst umstrittenes Gebiet. Trotzdem schaffte es Romeo, aufgrund seiner guten Beziehung in höchste Regierungskreise, von Vietnam eine Erlaubnis für eine Expedition zu erhalten. Zusammen mit seinen Freunden war Romeo unter dem Call 1S0XV und 1S1RR im April/Mai 1990 QRV. Insgesamt schafften sie 40‘000 QSO. Jeder der Teilnehmer bezahlte dafür zwar 1000 Rubel (damals für viele ein Jahressälar), der Rest übernahm die Sowjetunion. Wie die Rechnung für jeden einzelnen nach dem QSL-Versand unter dem Strich aussah, darüber lässt sich nur spekulieren.

Wie auch immer: Die nächste Expedition stand schon fest. Afghanistan! Mitten im Chaos des Krieges: Die Russen zogen sich gerade aus dem Land zurück.

Romeo gelang es wieder, eine Lizenz zu ergattern und er machte das Unmögliche möglich: Im Januar 1991 waren er und sein Freund Valerie YL1WW als YA0RR QRV, aus einem Versteck im belagerten Kabul. Ein äusserst gefährliches Unterfangen. Nur Stealth-Antennen konnten gebaut werden. Ein Tower mit einem Beam wäre sofort beschossen worden.

Romeo Stephanenko wurde in der Folge zu einem der berümtesten DXer. Nun folgte eine Expedition auf die andere. Die Liste der Rufzeichen, die Romeo in all den Jahren benutzte, ist überwältigend:

1S0RR, 1S0XV, 1S1RR, 3W3RR/UF6F (earthquake rescue operation), 3W3RR/mm (South China Sea), 3W5JA, 3W7A, 3W8AA, 3W100HCM, 4J1FM, 4J1FW, 4J0Q, 4L/AH0M, 4U1ITU, 4U1VIC, 5A0RR, 9D0RR, 9H3UP, 9H50VE, 9Y4/AH0M, AH0M, AH0M/am (Bermuda Triangle perambulation), AH0M/VE2, AH0M/VE3, AH0M/W4 (Dry Tortugas Isl.), BY1PK, DL/AH0M, EK0JA, EK0RR/am (hot air balloon), EK0RR/mm (Russian Navy submarine), EW8TJ, FJ/AH0M, FS/AH0M, HB0/3W3RR, HB9/AH0M, IT9/AH0M (Etna volcano), J37/AH0M, J6/AH0M, JA3ZTN, JI1ZTA, KP2/AH0M, KP4/AH0M, LZ1KDP, LZ9A, LZ/AH0M, OE/AH0M, OK8ERR, OM9CRR, P5RS7, PJ2/AH0M, PJ7/AH0M, R3A (Russian Parliament, 20-21 August 1991), RB4JWS/UF1O (South Ossetia), RB4JWS/UF1Q (Adzharia), RB4JWS/UF1V (Abkhazia), RO/3W3RR (Pridnestrovie), S79R, TA1/3W3RR, TA2/3W3RR, UB5JRR, UB5JRR/UA6E (Mount Elbrus), UB5JRR/UA6X, UQ1GWW, V2A/AH0M, VP2E/AH0M, VP2M/AH0M, VP2M/AH0M/am (helicopter), VP5/AH0M, XE2/AH0M, XV2A, XV0SU, XV100HCM, XY0RR, YA0RR, YL1WW, YL75ID (Island of Death)

Amateurfunk war nun zu seinem „Beruf“ geworden. Sicher nicht nur des Geldes wegen. Der Thrill, an außergewöhnlichen Orten in einem Pileup zu stecken, war der ultimative Kick – vielleicht vergleichbar mit einer Droge.

Zwar kamen immer wieder Zweifel an seinen DX-Aktivitäten auf. Zum Beispiel im Falle von Myanmar (Burma), wo er angeblich als XY0RR QRV war. Doch die Gemeinde der DXer glaubte an Romeo. Er war ihr Held und die Zweifler waren missgünstige Neider.

Doch 1993 überdrehte Romeo das Rad. Als P5R7S war er angeblich aus Nord Korea QRV. Doch die Station stand vermutlich nicht in Korea sondern irgendwo in der Gegend von Wladiwostok. Die ARRl begann zu zweifeln. Doch zuviele DXer hatten P5R7S im Log und das DXCC Komitee konnte sich nicht zu einem Entschluss durchringen.

Inzwischen gingen Romeos Expeditionen weiter. Zum Beispiel 5A0RR aus Libyen. Eine ebenfalls umstrittene Aktivität.

Erst 1996 fasste die ARRL einen Entscheid: Romeo wurde aus dem DXCC-Programm ausgeschlossen. Für viele DXer und Anhänger Romeos brach eine Welt zusammen.

Nun wurde es still um Romeo. Er zog nach Malta und lebte dort unter dem Namen Roy Rogers. Unter dem Rufzeichen 9H3UP hielt er den Kontakt mit seinen Freunden in Russland und der Ukraine aufrecht. 1999 erfolgte die Scheidung von seiner Frau Alyona, die heute in den USA erfolgreich ein Geschäft betreibt. Die DX-Welt begann Romeo zu vergessen.

Doch für Romeo war damit die Abwärtsspirale noch nicht beendet. Er verstickte sich immer mehr in kriminelle Aktivitäten. Unter den Namen Roman Vega war er mit verschiedenen Pässen auf undurchsichtigen Wegen in der Welt unterwegs. 2004 wurde er in Zypern verhaftet und an die USA ausgeliefert. 40 verschiedene Vergehen wurden ihm vorgeworfen, unter anderem Kreditkartenbetrug im grossen Massstab. Letztes Jahr – nach über zehn Jahren Untersuchungshaft – wurde Romeo zu 29 Jahren Gefängnis verurteilt. Seine Untersuchungshaft abgerechnet, muss er also noch 18 Jahre absitzen. Ein trauriges Ende für einen zweifellos passionierten Funkamateur.

73 de Anton

Quellen:

- Practical Wireless September 2014

- Dokufunk

- Romeo 3W3RR Jail-pedition

Bild: Es gibt ja noch andere Hobbys als Amateurfunk ;-)

Die Ausbreitung der kurzen Wellen

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Manche OM glauben, dass sie mit dem Bestehen der Prüfung zu Funkspezialisten geworden sind. Doch das ist bloß eine Illusion. Die Funkprüfung ist erst der Anfang. Ausgelernt hat man in unserem Hobby nie, das ist das Spannende daran. Es gibt unzählige Facetten und Sparten zu erforschen.

Ein interessantes Thema ist zum Beispiel die Ausbreitung der Kurzwellen. Natürlich hilft hier die Praxis auf den Bändern, doch das allein reicht nicht aus, um zu verstehen, wieso die Dinge so sind, wie sie sind.

Man kann zum Beispiel eine US-Extra Prüfung bestehen, ohne den blassesten Schimmer von Kurzwellenausbreitung zu haben. Die paar Fragen lassen sich spielend auswendig lernen.

Doch das macht keinen Spaß.

Wer mehr über dieses spannende Gebiet wissen möchte, findet erstaunlicherweise im Internet nur Rudimentäres und Fragmente. Zumindest in Deutsch. Kurze Beschreibung der Bänder, etwas über Sonnenflecken und Ionosphärenschichten. Doch tiefer wird kaum gegraben.

Und so wundert sich dann manch ein OM im Spanienurlaub, dass dort die Bänder einen ganz anderen Charakter haben als in Norddeutschland. Bereits hier in der Schweiz sehen zum Beispiel 80 und 160m anders aus, als an der Nordseeküste.

Natürlich kann der OM ein akademisches Werk über Wellenausbreitung erwerben, doch wer nicht Physik oder Ingenieurwissenschaften studiert hat, wird das Buch bald zur Seite legen.

Die beste Einführung in die Wellenausbreitung habe ich bisher in der neusten Ausgabe (2014) des ARRL Radio Handbooks (Kapitel 19) gefunden. Überhaupt gehört dieses Standardwerk in jeden Shack. Ob Relaisarbeiter, KW Contester oder Allerleifunker. Auf Deutsch gibt es leider nichts Vergleichbares.

Für den, der sich für das tägliche Geschehen hoch über unseren Köpfen interessiert, gibt es zum Beispiel die Seite Spaceweather.com Oder auf Deutsch die Seite Sonnen-Sturm.info

 Voacap ist ein “unverzichtbares” Tool geworden zur Vorhersage der Ausbreitung von jedem Punkt der Erde, bzw. zwischen zwei beliebigen Orten.

Auf UKW kann die VHF-Propagation Map dem DX-Jäger sehr nützlich sein.  Eine Seite, die ihre Information aus dem APRS-Netz bezieht. Meines Erachtens die einzige wirklich nützliche Anwendung von APRS. Sonst ist das ja kaum mehr als “Ameisen beobachten” ;-)

73 de Anton

Bild: Lac d’Esparron. Geheimtipp: Ein Elektroboot in Esparron mieten und durch den unteren “Canyon” nach Quinson fahren. Dort Apéro und Mittagessen und dann zurück. Für Sportskanonen geht’s natürlich auch mit einem Kanu.

Ein 80m QSO mit einer verrückten Antenne

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Meine abendlichen Verbindungen aus Südfrankreich in die Schweiz konzentrierten sich auf das 40m Band. 160 und 80 hatten meist zuviel QRN von den Gewittern rund ums Mittelmeer, und für 30m war es um 21:00 MEZ oft bereits zu spät.

Doch nicht alle Funkamateure dürfen das 40m Band benutzen. HB3er sind von den wichtigen “Mittelbändern” 40,30 und 20m ausgeklammert. So auch mein Freund Andy, HB3YAF.

Darum versuchte ich es immer wieder auch auf 80m, trotz des QRN. In CW versteht sich, denn Andy greift höchst selten zum Mikrofon. Ich weiss nicht einmal, ob er überhaupt eins hat.

Doch seine Drahtantenne lieferte zuviel Lokal-QRM um mich aufnehmen zu können. Am schlimmsten ist das Heugebläse des Bauern nebenan. Springt es an, hat Andy auf 80m S9 plus 60. Dagegen ist PLC ein Kindergeburtstag. Ich denke, dass da ein elektrischer Wurm im Gebläse sitzt. Vielleicht ist der Nullleiter weg und das Teil läuft irgendwo zwischen Phase und Blitzableiter ;-)

Trotzdem ist gestern noch ein CW QSO auf 80m zustande gekommen. Andy kam mit komfortablen 579 hier in Esparron an. Dank einer Wunderantenne, die er in aller Eile aufgebaut hat. Mir sträubten sich die verbliebenen Haare, als ich ein Bild von diesem Teil sah.

Es handelt sich dabei um eine Spiral-Loop-Antenne von SM0VPO. Hier gehts zur Baubeschreibung.

73 de Anton

Wer misst misst Mist

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Die Bundesnetzagentur hat ein Powerline-Modem nachgemessen, nachdem ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des DARC erhebliche Störungen durch dieses Gerät festgestellt hatte. Resultat: das fragliche Gerät entspreche der Norm, meinte die BNA, übermässige Störungen könnten nicht festgestellt werden. 

Darauf verlangte der DARC die Messprotokolle. Zuerst weigerte sich die BNA, diese herauszurücken. Doch als der DARC schliesslich Einsicht bekam, stellte sich heraus: Das Gerät war im Standby-Modus gemessen worden.

Da gibt es meines Erachtens nur drei Möglichkeiten:

1. Der Messknecht ist ein Blindgänger und hat keine Ahnung

2. Er war schlicht zu faul, oder

3. Vom Hersteller des Modems gekauft.

Dass die BNA das Messprotokoll zuerst nicht herausrücken wollte, deutet darauf hin, dass man dort über den “Fehler” Bescheid wusste.

Ein anderes Beispiel von falschen Messungen ist eine Studie, die 2008 an der Medizinischen Universität in Wien durchgeführt wurde. Resultat: Handy-Strahlung schädigt angeblich die menschliche DNA unterhalb der geltenden Grenzwerte.

Noch heute wird diese Studie zitiert, obwohl sich längst herausgestellt hat, dass die Resultate falsch und vermutlich manipuliert waren.

Ein gesundes Misstrauen und Hinterfragen kann auch in der Wissenschaft nicht schaden. Immer wieder wird ein Traum in die Realität transformiert oder das Tor in den Schuss verlegt ;-)

73 de Anton

Bild: Schloss bei Aiguines (Gorges du Verdon)

Eine Zufallsantenne

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Manchmal werde ich von frischen OM gefragt, welche Antenne ich denn empfehlen würde. Und meistens werden dann die bekannten kommerziellen Produkte aufgezählt. Meistens irgendwelche Drahtgebilde, vielfach mit Traps, oder Alu-Stängel, vorzugsweise mit dem Attribut “keine Radials notwendig”.

Heute vor einer Woche, stand ich auch vor der Frage, welche Antenne ich errichten sollte. Denn zurzeit bin ich wieder in Südfrankreich und hole den Sommer nach.

Diesmal habe ich mich in Selbstbeschränkung geübt, schliesslich musste ja alles in den Fiesta. Da habe ich sogar auf einen jener praktischen Angelruten verzichtet, obschon ich inzwischen über ein ganzes Sortiment von diesen Dingern verfüge. Nur Draht und Zwickzange kamen mit. Bäume hat es da unten ja genug, dachte ich mir. übersehen hatte ich allerdings, dass hier unten vor zehn Jahren ein Waldbrand stattgefunden hat und die biologischen Antennenmasten noch nicht so hoch sind, wie ich mir das erträumt hatte.

Macht nix, dachte ich, ich will sowieso nur eine NVIS-Antenne bauen, und eine solche hängt bekanntlich tief, damit sie hoch strahlt. 

Doch auch die tiefsten Bäume setzten meinen Wurfkünsten widerstand entgegen und das arthritische Rheuma setzte strikte Grenzen. Wie praktische wäre jetzt so ein zehn Meter Teleskopstängel gewesen um damit den Draht auf einen passenden Ast zu bugsieren. Trotzdem habe ich es geschafft. Denn schliesslich ist ein Haus auch ein Mast, was oft vergessen wird. 

Doch was für eine Antenne habe ich eigentlich gebaut? Nun, es ist eine Zufallsantenne. Nachdem man bei einem QTH die in Frage kommenden Stützpunkte ausgespäht hat, geht es in der Regel darum, möglichst viel Draht möglichst hoch in die Luft zu bekommen. In diesem Fall sind es stolze 75m, denke ich. So genau weiss ich das nicht. Aber dafür hat man ja einen automatischen Tuner. Auch sein Platz war rasch gefunden, nämlich bei einem Drittel der Gesamtlänge. Dort steht zufälligerweise das Haus ;-)

Noch rasch ein paar Windungen des Koax und des Speisekabels beim Tuner auf einen N30 Toroid (Mantelwellensperre) und ab ging die Post

80, 40, 30 und 20m: der CG-3000 stimmte ab wie eine Orgel. Ein glücklicher Zufall. Wäre es anders gewesen, hätte ich es mal mit ansetzen und/oder abschneiden versucht.

In der Zwischenzeit habe ich den Draht noch etwas um- und höher gehängt, doch das Resultat ist immer das gleiche: Eine wunderbare NVIS-Antenne. Die Signale bis zu 500 km sind kräftig. Aufs modellieren mit MMANA-GAL habe ich verzichtet. Der Boden hier ist ausgesprochen trocken und wer weiss wo der richtige Ground ist. 

Dieser asymmetrisch gespeiste, nicht resonante Dipol befindet sich etwa 4-5m über dem Boden und hätte ich meinen Antennenanalyzer dabei, wäre es sicher interessant, die Impedanzen zu messen. Aber auch dieses Teil musste zuhause bleiben. Und ehrlich gesagt, schwimme ich bei 30 Grad und Sonnenschein lieber im Pool, als Messungen durchzuführen.

Für Zufallsantennen gilt übrigens auch die Regel: Never change a winning horse. Daher werde ich das Ding mal so bleiben lassen, wie es ist ;-)

73 de Anton 

Bilder: Gorges du Verdon in der Nähe der Zufallsantenne

Wie schwer ist die US-Lizenzprüfung?

Delta Loop LA-HB9ASB

Mein Beitrag von gestern hat prompt zu einigen Telefonaten geführt.

Behauptungen wurden aufgestellt, Expertenmeinungen abgegeben, und es wurde darüber philosophiert, welche Prüfung nun einfacher oder schwieriger sei und ob sich die Fragenkataloge auswendig lernen lassen. Mir schwirrt heute noch der Kopf ;-)

Interessant war’s trotzdem. So erfuhr ich zum Beispiel, dass die HB3er Prüfung die leichteste in ganz Europa sei – vielleicht mit Ausnahme der österreichischen. Dass die US Technician Prüfung einfacher sei, wollte man nicht gelten lassen. In der Vergangenheit seien sogar HB9er im ersten Anlauf an der Technician gescheitert. Die notwendigen Englischkenntnisse, inklusive technischem Vokabular, würden oft unterschätzt.

Doch zurück zur eigentlichen Frage: Wie schwer sind die US-Prüfungen wirklich?

Das kann jeder selbst ganz einfach herausfinden. Zum Beispiel bei QRZ.com.

Dort können alle drei Prüfungen – Technician, General, Extra – online übungshalber absolviert werden.

Ich habe das gerade getan, ohne Vorbereitung, in medias res.

Die Technician war Pipifax. Die technischen Fragen sind CB-mässig. Doch die fehlende Kompetenz in Sachen US-Regeln haben zu ein paar Punkten Abzug geführt. Ich hätte eine excellente Chance, die Prüfung in Wirklichkeit zu bestehen, meinte qrz.com. Also nix wie los zu den nächsten 35 Fragen der General Class. 26 Richtige muss man mindestens haben. Hier zeigt sich der Mangel an Kenntnissen bei den US Regeln noch stärker. Ein paar Mal muss ich raten, manchmal hilft der gesunde Bauernverstand.  Trotzdem bestehe ich die General auch.

Nun hält mich nichts mehr auf. Es geht um die Extraklasse und damit erwacht endlich mein Jagdinstinkt. Diesmal klicke ich mich nicht im Schnellzugstempo durch den Test. Trotzdem, kaum angefangen schon ein erster Flüchtigkeitsfehler. Anstatt Upp berechne ich nur Up. Jetzt muss ich mich am Riemen reißen. Denn die Fragen zu den Vorschriften lauern noch auf mich. Von 50 Fragen muss ich 37 richtig beantworten.

Nach weniger als einer halben Stunde ist es geschafft: Zu 94% bestanden. Die Chancen sind sehr gut, meint der Bildschirm, dass ich die Prüfung auch in Wirklichkeit bestehen würde.

Doch das werde ich nicht tun. Amerika ist zwar ein wunderbares Reiseland und ich habe mich dort – speziell in New England – immer wie zuhause gefühlt. Doch die CEPT Lizenz reicht mir. Zudem weiß mein Gegenüber sofort, woher der OM mit dem komischen Dialekt kommt ;-)

Außerdem habe ich eine “phobie des examen” seit mich die Lehrer wegen kognitiver Dissonanz und Gedankenflucht nach der achten Klasse von der Schule geschmissen haben.

Fazit: Auch ohne Lernen kann der aufgeweckte Funkamateur die US-Prüfungen bis zur höchsten Lizenzklasse bestehen. Allerdings empfehle ich zur Sicherheit, die FCC-Regeln durchzulesen. Wer so angefressen vom Funk ist wie ich, dem bleibt automatisch alles im Gedächtnis hängen, auch wenn er sich sonst nicht einmal den Namen seiner Schwiegermutter merken kann :-)

Wer vor zwanzig Jahren die HB9/Klasse A Prüfung gemacht hat, keinen Selbstbau betreibt und sich auch sonst nicht für technische Details interessiert, der muss büffeln. 6 Monate Vorbereitung dürften reichen. Alternativ lassen sich die Antworten auch auswendig lernen.

73 de Anton

Bild: Fredvang auf den Lofoten. Delta Loop für 40m.

 

 

Aus der Gerüchteküche: US-Funkerprüfungen in Zofingen?

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Obschon die USA bei CEPT mitmachen und wir Europäer ennet dem Atlantik problemlos funken dürfen, ist es für viele OM reizvoll ein amerikanisches Rufzeichen zu besitzen. Die Gründe dafür sind verschieden. Für manchen ist es ein Challenge, eine Herausforderung, die US-Prüfung in englisch zu absolvieren. Vielfunkern geht es schlicht um ein einfacheres Rufzeichen ohne Schrägstrich und manch ein OM macht die Prüfung einfach für “die Gallerie”; Diplomsammler gehören zu dieser Kategorie. 

Wie dem auch sei. Für eine US-Funkerprüfung muss man nicht in die USA reisen. Man kann sie zum Beispiel auch in Deutschland absolvieren. Denn die USA haben ein anderes Prüfungssystem als die meisten europäischen Staaten. Während hier normalerweise die Behörden die Prüfungen abnehmen, geschieht das in den USA durch Volontäre des ARRL, also durch andere Funkamateure. Diese müssen nicht zwingend US-Bürger sein. 

Die USA kennen drei Lizenzklassen mit unterschiedlichen Privilegien: Technician, General und Extra. Wobei die Technician etwa unserer HB3 und die Extra unserer HB9 Prüfung entsprechen sollen, wie mir Insider versichern. Früher gab es noch eine Advanced zwischen General und Extra und eine Novice-class, doch diese wurden im Jahr 2000 im Zuge einer Reorganisation abgeschafft.

Kritisiert wird oft, dass durch die Reorganisation 2000 die Ansprüche an die Ausbildung der Funkamateure gesunken seien. Kritiker sprechen von einem Dumbing Down der Funkamateure – einer Verdummung. Ein Trend, den manche auch in Europa glauben feststellen zu können. 

Macht nix. Die Menschheit wird eh immer dümmer.

Der kurzen Rede langer Sinn: Anlässich der Surplus Party in Zofingen, die dieses Jahr am Samstag, den 25. Oktober, veranstaltet wird, soll angeblich auch eine US-Prüfung stattfinden. Übrigens nicht die erste in der Schweiz. Der letzte Anlass dieser Art – in Basel – hat ziemlich für rauchende Köpfe gesorgt. Nicht nur bei den Kandidaten, sondern auch bei der USKA und dem BAKOM, wie aus der Gerüchteküche zu vernehmen ist.

73 de Anton

ESA: Ein Schuss in den Ofen

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Es sieht ganz so aus, als könnten wir das 23 cm Band doch länger behalten. Die ESA hat zwei Galileo-Satelliten in die falsche Umlaufbahn geschickt. Doch das ist nicht das einzige Problem. Die Satelliten, die bereits oben sind, plagen mysteriöse Stromprobleme.

Etwas weiter unten, könnten wir bald Probleme mit dem Fliegen bekommen. Wer die Ereignisse um den isländischen Vulkan Bárðarbunga  zeitnah verfolgen möchte, dem kann ich diese Seite empfehlen.

Nochmals eine Stufe weiter unten auf diesem Planeten ist der Teufel los. Doch das könnt ihr den Nachrichten entnehmen. Wobei ich manchmal den Eindruck habe, die Mainstream-Medien lügen uns den Buckel voll.

Gut, dass es noch den Amateurfunk gibt. Er tröstet auch über den angeblichen Sommer hinweg. Beim Basteln vergisst man den Regen und die Kälte draußen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem kleinen Sonntagnachmittag-Projekt? Zum Beispiel mit dieser Schaltung von Polyakov*? Ein Reflexempfänger für Mittelwelle mit nur drei Transistoren, drei Widerständen, zwei Kondensatoren, einem Schwingkreis und einer Diode. Bei einer Reflexschaltung werden eine oder mehrere Stufen sowohl als HF, wie auch als NF-Verstärker benutzt. In der vorliegenden Schaltung wird die HF durch die drei Transistoren verstärkt, durch die Diode gleichgerichtet und das NF-Signal wieder zum ersten Transistor zurückgeführt. Die NF durchläuft dann nochmals den ganzen Verstärker. Im Prinz ist es also ein virtueller sechs Transistoren Empfänger. 

Natürlich sind Reflexschaltungen heutzutage ein Witz. Nicht, weil es kaum noch Mittelwellensender gibt, sondern weil Transistoren so billig sind, dass man daran nicht sparen muss. Früher war das anders. Die Dinger haben damals mein ganzes Taschengeld aufgefressen.

Apropos Mittelwelle. Jetzt wo die großen Krokodile reihum abgeschaltet werden, eröffnen sich für den SWL ganz neue DX-Möglichkeiten. Schwache Stationen, die bisher durch dicke europäische Signale zugedeckt wurden, sind plötzlich hörbar. Ich für meinen Teil höre am liebsten den holländischen Piraten im Bereich 1600 – 1700 kHz zu. Ihre Musik und das Knacken und Rauschen im Äther ergeben eine ganz spezielle nostalgische Mixtur ;-)

Aber vielleicht möchtet ihr nicht löten und etwas handfesteres bauen? Wie wäre es mit einem Gerät um die Höhe von Antennenmasten zu messen? OZ2CPU zeigt uns eine einfach Lösung. Er hat offensichtlich in der Schule beim Pythagoras gut aufgepasst :-)

Wer nicht gut aufgepasst hat – zum Beispiel beim ohmschen Gesetz – dem gibt diese Dame hier gerne Nachhilfe. Wenn euch dabei ihr Französisch etwas seltsam vorkommt, ein kleiner Tipp: es ist der gleiche Dialekt wie der von Céline Dion ;-)

Na ja, das Outfit ist etwas aus der Mode, 1988 halt. Noch älter ist dem Max Raabe sein Habitus, genauso wie sein Gesangsstil. Echt was für Nostalgiker. Doch hört mal, was der singt, das haut euch glatt aus den Socken ;-)

Nun bin ich etwas abgeschweift, liegt wohl am Wetter. Amateurfunk nicht Gesang ist ja das Thema. Und da ist mir etwas aufgefallen, über das ich keine Informationen erhalten kann. Seit geraumer Zeit ist die Seite von Joe Taylor K1JT nicht mehr erreichbar. Er ist Professor emeritus in Princeton und Nobelpreisträger und natürlich der OM, der WSPR, JST und all die anderen interessanten Weak Signal Betriebsarten erfunden hat. Spinnt mein Computer oder ist seine Website wirklich down?

73 de Anton

* Schaltungen von V. Polyakov findet man z.B. auch hier

Bild: meine persönlichen Wetterpropheten

 

 

 

 

 

Die Fiesta Antenne

Wenn man aus zwei Velozipeds eine Antenne basteln kann, so muss es mit zwei Autos noch wesentlich besser gehen, dachte ich mir. Doch nicht jedermann ist Krösus und muss deshalb mit einem Wagen Vorlieb nehmen. Die Frage ist: Lässt sich aus einem Mobil bereits eine Antenne basteln? Das Autochassis als Mobilantenne verwenden?

Ich habe es ausprobiert und meinen halben Sechszylinder mit der Aston Martin Schnauze mal mit HF versorgt.

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Natürlich wieder mit dem bewährten Ultimate 3 von Hans Sommers und wiederum in WSPR um möglichst viele automatische Rückmeldungen zu bekommen. Das Reverse Beacon Network ist zwar auch interessant. Doch seitdem immer mehr OM das RBN missbrauchen und nur CQ rufen um sich in der Liste wiederzufinden, finde ich das RBN nicht mehr so toll. 

Kurze Rede langer Sinn, ich habe also den U3 im Innern des Fiesta installiert, mit einer separaten Batterie gespeist und den Antennenausgang an die Karosserie angeschlossen. Die ganze Aussenhaut (minus Plastik) sollte als Strahler wirken. Das geht ganz einfach. Man braucht dazu nur die Antenne auf den Minuspol des Zigarettenanzünders zu legen. Doch was ist mit dem Gegengewicht? 

Nun, ich habe es einfach unterschlagen. Genauso wie Tausende von OM auch. Irgendwie wird schon was rauskommen, habe ich mir gedacht und den Sender eingeschaltet: 1 Watt im 30m Band.

Gespannt bin ich dann ins Haus zurück und habe die Webseite von WSPRnet gestartet. Eine Stunde, zwei Stunden…nach drei Stunden immer noch nichts. Zwar war in meinem Stationsempfänger das WSPR Signal Loud and Clear, doch hören wollte mich keiner. Was so ein fehlendes Gegengewicht ausmacht ;-) Zwar lag die Seele des Antennenausgangs auf dem Chassis, doch das einzige Gegengewicht, das hätte wirken können – der Mantel eines kurzen Stücks Koax am U3 – befand sich im Innern eines Faradayschen Käfigs. 

Ohne Gegengewicht ist also auch der Fiesta-Strahler nichts wert. Ich habe dem abgeholfen und zehn Meter Litze hinter dem Wagen auf den Boden gelegt. Durch die Autotür eingeklemmt führte sie auf den Aussenkontakt des Antennenanschlusses. Nun mussten die Wellen nicht mehr ratlos draußen umherirren, auf der vergeblichen Suche nach einem Gegengewicht. Das Resultat war frappant. Keine zehn Minuten später kamen die ersten Rapportmeldungen. Hier das Bild dazu:

Fiesta-Antenne

Den Fiesta habe ich übrigens nicht getuned. Damit ihr mich nicht falsch versteht: Das heisst, ich habe keine Matchbox benutzt, ja, nicht einmal das SWR gemessen. Die geschaltete Endstufe des U3 verdaut solche Spässe klaglos und wir OM haben sowieso die Tendenz, das SWR zu überschätzen.

Hier noch das Bild dieser seltsamen Installation:

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Wie man sehen kann, wird die Seele des Koax an den Minuspol des 12Volt Anschlusses gehängt :-)

73 de Anton 

 

FT-991

FT-991

Auch dieses Jahr war die HAM FAIR in Tokyo für ein paar Überraschungen gut. Wie ich bereits früher geschrieben habe,wird der FT897D nicht mehr produziert, nur der FT-857D und der FT-817ND laufen noch weiter. Doch wie lange noch? Wer sich in Panik rasch einen der letzten FT-897 unter den Nagel gerissen hat, könnte dies schon bald bereuen. Yaesu hat nun den FT-991 vorgestellt. Das Teil kann nicht nur die üblichen Betriebsarten, sondern auch C4FMDigital, RTTY und PSK. Von D-Star jedoch keine Spur. Das scheint ein Alleinstellungsmerkmal von ICOM zu bleiben. Natürlich kann das Truckli neben KW und 6m auch 2m (100W) und 70cm (50W). Ob auch das 70MHz Band abgedeckt wird, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Selbstverständlich hat der FT-991 eine ZF-DSP mit den üblichen Goodies. Zwei Roofing Filter von 3 kHz und 5 kHz scheinen Standard zu sein. Ob man noch ein schmäleres Roofing-Filter nachbestücken kann, wird sich zeigen. Doch für die meisten Benutzer dürfte das sowieso irrelevant sein. Viel wichtiger scheint mir der Umstand, dass die Kiste einen automatischen Antennentuner intus hat.

Wer sich am Stand von Yaesu etwas umsehen möchte: Hier ist das entsprechende Video von der Ham Fair 

Wer lieber einen Rundgang beim ICOM Stand machen möchte, bitte sehr.

Auch dort gab es Interessantes zu sehen. Zum Beispiel den FT7850. Ein aufgebretzelter IC-7800 als limitierte Jubiläumsversion. Er soll nicht nur optisch aufgebessert worden sein, auch die Technik soll auf dem neusten Stand der Kunst sein.

Doch der dritte im Bunde darf nicht fehlen: Hier geht’s zum Rundgang beim Kenwood Stand

Doch diesmal gibt es bei Kenwood nichts Neues zu sehen. Die Woody’s haben ja einen etwas längeren Innovationszyklus als die Konkurrenz.

73 de Anton

 

Bye Bye Sottens

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Gestern wurde der 188m hohe Hauptmast des Mittelwellensenders in Sottens gesprengt (765kHz). Weniger dramatisch aber mit gleichem Resultat wird es in ein paar Jahren den UKW FM Antennen gehen. Natürlich wird man sie nicht sprengen, sondern einfach abmontieren. Dann bleibt nur noch DAB+. 

Hier ein Video der Sprengung des Mastes.

Der Mast im Hintergrund ist der Reservemast. Er ist 125m hoch und ich habe ihn nach dem Abschalten des Senders unter HE3OM auf 136 kHz “aktivieren” dürfen.

Damals hat eine zweite Equipe auch den Hauptmast auf Kurzwelle in Betrieb genommen. Hier ein Video des Mastes, als es ihm noch besser ging ;-) Man beachte den Sound am Ende des Films! Er erinnert an die Kriegszeiten, als die Mittelwellensender Beromünster, Sottens und Monte Ceneri eine wichtige Rolle spielten.

Hier zur Erinnerung nun eine Reihe von Bildern aus Sottens, die ich vor drei Jahren gemacht habe:

Mein Shack

Reservemast 125m, wurde durch HE9OM als Langwellenantenne benutzt. Dieser Mast bleibt als Denkmal vorläufig stehen und wurde nicht gesprengt. Darunter die Hütte mit der Antennenanpassung, die ich damals als Shack verwendete.

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Hier nochmals aus einer anderen Perspektive. Alle vier Füsse stehen auf Isolatoren. Sie sind mit Messerschaltern kurzgeschlossen, die zum Betrieb mit einer langen Isolierstange geöffnet werden müssen. Die Speisung des Mastes erfolgt über die V-förmigen Drähte aus dem Shack.

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Im obigen ist der 125m Reservemast in seiner vollen Grösse zu sehen. Er steht in der Nähe des Sendegebäudes.

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Und hier nun der 188m grosse Hauptmast, der gestern gesprengt wurde. Er stand ca. 500m entfernt auf einem Hügel. Im Gegensatz zum Reservemast, der als GP benutzt wurde, wurden hier parallel geschaltete Dipole gespeist, die von der Spitze gegen Erde gespannt waren und den Mast wie einen Käfig umgaben. Der Mast selbst wurde als strahlungsgekoppeltes λ/2 Element mitbenutzt und war geerdet.

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Hier ist der Hauptmast vom Reservemast aus in der Abenddämmerung zu sehen.

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Auch der Hauptmast verfügte über einen Shack, in dem die Anpassung untergebracht war. Zu sehen sind auch die Drähte der Dipole.

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In seinem Innern führte eine Koaxialleitung hinauf zum Speisepunkt der Dipole in der Mitte. Links davon der Aufstieg für die Servicetechniker. 

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Im Innern des Shacks des Hauptmastes. Zu sehen ist Kurt, HB9AFI, beim Arbeiten an der Kurzwellenstation. Die Anpassung dieser Antenne auf die Kurzwellenbänder bereitete einiges Kopfzerbrechen.

2011.02.04_Traffic_137K_1.8M_0010_redimensionnerZurück zum kleinen 125m Mast, der glücklicherweise erhalten bleibt. Hier ist das Variometer zu sehen, das für die Anpassung des Mittelwellensenders gebraucht wurde.

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Und hier noch die Kondensatorenbänke dazu. Für die Versuche auf Langwelle 136 kHz waren unsere Anpassmittel wesentlich bescheidener. In der nächsten Aufnahme ist links im Bild unsere Variometer zu sehen:

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Es musste maximal 1kW standhalten. Wer gerne etwas über die damaligen Versuche nachlesen möchte, dem kann ich die folgenden Artikel empfehlen:

Teil 1

Teil 2

Für mich war Sottens das grösste Abenteuer in meinem Funkerleben und ich bin dankbar, dass ich ein Stück Amateurfunkgeschichte “mitschreiben” durfte. Hier noch ein paar weitere Erinnerungsbilder:

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 Variometer und Kondensatoren im Shack beim Reservemast

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Über diese Drossel wird der Strom für die Mastbeleuchtung hochgeführt. Sie ist geerdet und wird durften sie nicht entfernen. Für Langwelle war ihre Induktivität zu klein und wir mussten eine Lösung finden, damit unsere 136 kHz nicht nach Erde kurzgeschlossen wurden.

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Hier ist die Lösung: Die Drossel wurde mit Kondensatoren zu einem Sperrkreis für 136 kHz umfunktioniert!

2011.02.04_Traffic_137K_1.8M_0003_redimensionner 2011.02.04_Traffic_137K_1.8M_0004_redimensionner

Anton an der Langwellenstation von HE3OM. 

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Ein Blick hoch in den Mast. Es schneit!

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Unser Signal auf der anderen Seite des Atlantiks.

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 73 de Anton

PGA-103+ Ein Wunderbauteil

Mitternachtssonne

Für den Bastler liest sich das Datenblatt des PGA-103+ von Mini Circuits wie die Erfüllung aller Bastelträume.

Dieser neue monolitische Verstärker (MMIC) kann fast alles. Sein Frequenzbereich reicht vom 6m Band bis 4 GHz und das mit einer Ein- und Ausgangsimpedanz von 50 Ohm. Externe Bauteile braucht es ausser Koppelkondensatoren und Speisedrossel keine, sieht man mal vom 5 Volt Spannungsregler ab.

Benutzt man den PGA-103+ als Vorverstärker, so wartet er, dank Gallium-Arsenid Chip, mit einer fantastischen Rauschzahl auf:

0.5 dB im 2m Band, 0.6dB bei 1GHz und immer noch 0.9dB bei 2 GHz. Und das bei einem IP3 von 45dBm bei 2GHz. Natürlich liefert er auch kräftig Verstärkung: 26.5 dB bei 50 MHz, die bis 4 GHz auf 6.2 dB absinkt. 

Aber nicht nur als Vorverstärker macht der PGA-103+ eine gute Figur. Als Sendetreiber liefert er 100 bis 200mW HF. Genug um eine kleine Endstufe anzusteuern.

Dieses Wunderteil verleitet natürlich dazu, einfach die Antenne an den 50 Ohm Eingang zu hängen – ohne irgendwelche Selektionsmittel. Doch das bekommt nicht jedem Empfänger gut, der dann das ganze verstärkte Spektrum verdauen muss. 

HB9AFO ist nebst anderen fleissig daran, mit dem neuen Bauteil zu experimentieren und hat bereits einen 2m Vorverstärker mit Eingangsselektion gebaut. Auch F6FKN hat einen Vorverstärker für 2m gebaut – mit klassischen λ/4-Kreisen zur Selektion. Sein Aufbau lässt sich sicher direkt skalieren für 70 und 23cm. 

Ich denke, wir werden in nächster Zeit noch vielen interessante Schaltungen mit dem neuen Bauteil begegnen. Nicht nur Vorverstärker, auch Transverter mit minimalem Bauteilebedarf und in “no tune” Ausführung sind zu erwarten. Der PGA-103+ ist nicht teuer und man findet ihn auf Ebay oder auf der Box73.

Eine Zehnerpackung PGA-103+ liegt auch auf meinem Basteltisch bereit – zusammen mit einer Ladung 5Volt Reglern. Der Sommer ist gelaufen, die Hundstage vor die Hunde gegangen, der Bastel-Herbst kann kommen.

73 de Anton

Bild: Die Mitternachtssonne scheint durch den finnischen Wald

Notfunk – viel heisse Luft

auf dem weg ans kap 3

Das neue HB-Radio kommt wie immer daher: Mehr Schein als Sein. Ein Mangel an praktischer Substanz. Neben esoterischen Pentagramm-Antennen und einem Artikel über Senderöhren, den man in einem Satz hätte zusammenfassen können, wird vor allem der Notfunk breitgetreten. 

Dabei ist mir eine Karte ins Auge gesprungen, die die Schweiz in acht Notfunkregionen aufteilt. Ohne Erklärung zu dem Woher und Wozu wird sie einfach dem Leser vors Auge geworfen. Ob sich Katastrophen an diese Karte halten werden? Ob sich Katastrophen überhaupt an irgendwelche Grenzen halten werden? Ziemlich sicher nicht! Gerade auf diesem Gebiet hätten die Funkamateure im Notfall einiges zu bieten. Den problemlosen Aufbau von Kommunikations-Verbindungen über die Landesgrenzen hinweg. Das üben wir nämlich täglich.

Willi, HB9AMC, sieht jedoch unsere Stärken anderswo. “Wir können funken”, ist für ihn Punkt Eins. Wenn ich so übers Band drehe, kommen mir an dieser Aussage gewisse Zweifel. Ich kenne OM, mit denen kriege ich eine Funkverbindung nur gebacken, wenn wir vorher zehnmal ein SMS hin- und her geschickt haben, anderen löscht es schon bei einem Frequenzwechsel ab. Schreibe ich dann entnervt zurück: “Auf 15m ist das Band tot, die MUF ist zu niedrig, wir müssen auf 20″, muss ich lesen: “Dann probieren wir es doch mal auf 10m.” 

Punkt Zwei ist: “Wir haben Geräte, Antennen und Frequenzen.” Das scheint mir kein Alleinstellungsmerkmal des Amateurfunks zu sein. Das hat sogar mein Mobiltelefon.

Erst bei Punkt Drei bin ich wieder voll dabei: “Wir können improvisieren.” Allerdings mit der Einschränkung, dass einige noch lernen sollten, einen Stecker anzulöten und eine Antenne aus einem Stück Draht zu bauen, ohne auf den Herrn Kelemen zurückzugreifen.

Willis vierter Punkt ist die Behauptung, dass wir auch ohne Netz-Strom funken können. Die paar Notfunk-Profiamateure können das, kein Zweifel. Doch beim Rest der Equipe ist spätestens dann Schluss, wenn der Handy-Akku schlapp macht.

Bis hierher sind Willis Argumente etwas dünn, finde ich. Doch jetzt kommt der Hammer:

“Wir können in kürzester Zeit viele Meldungen übermitteln (Conteste).”

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Doch kommen wir zum praktischen Teil: Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen Amateurfunk und Notfunk?

Ihr habt es sicher schon erraten: Es ist das Meldeformular. Denn von der Wiege bis zur Bahre, geht es niemals ohne Formulare. 

Aber auch etwas anderes ist noch wichtig: “Die Fehlerfreiheit der Übermittlung.” Das, mein lieber Willi, können wir auch:

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Wenn ihr bisher den Eindruck hattet, ich würde dem Notfunk negativ gegenüber stehen: ihr irrt euch. In der Not zu helfen ist eine edle Aufgabe und immer positiv. Und mit Interesse habe ich den Artikel über die Notfunkgruppe von HB9CF gelesen. Im Gegensatz zu der vielen heissen Notfunkluft, die ventiliert wird, tun die was.

73 de Anton

Bild: Unterwegs auf der Insel Magerøya, Norwegen

HB-Radio Archiv, leider zur Zeit noch ohne die neuste Ausgabe.

Verwirrung um Morsezeichen AR und K

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Die alten Hasen wissen Bescheid:

K ist die Aufforderung zum Senden und deshalb auch die korrekte Endung eines CQ Rufes.

AR bedeutet die Beendigung einer Sendung ohne Einladung zum Senden an andere Stationen.

Alles andere ist Quatsch und wird von einer kleinen aber lautstarken Minderheit propagiert und verunsichert die Newcommer. 

Der Morsewirrwar enstand durch die Publikation einer Broschüre von ON4UN und ON4WW mit dem Titel: Ethics and Operating procedures for the Radio Amateur. Darin wurde AR als das neue K propagiert. Wie es soweit kommen konnte, ist mir schleierhaft. Das Büchlein wurde von der IARU zuerst hoch gelobt und fand weite Verbreitung. Erst später entdeckte man den Fehler. Die Autoren waren offenbar nicht zu einer Korrektur bereit und so hört man nun die Neulinge auf den Bändern mit AR statt mit K. Besonders Hartnäckige versuchen sogar gestandene CW OP zu korrigieren.

Immerhin besteht jetzt die Hoffnung, dass die IARU an der nächsten Konferenz in dieser Angelegenheit Klarheit schaffen wird:

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73 de Anton

Bild: Porsangerfjord

 

 

 

Aus für 23cm?

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Gemäss einem Konferenzpapier von OE1MCU, Michael Kastelic, für die IARU Region 1 Konferenz, die im September in Varna-Albena, Bulgarien, stattfinden wird, werden wir wohl in naher Zukunft auf das 23cm Band verzichten müssen. Schon Ende dieses Jahr wird Galileo, das europäische Satelliten-Navigationssystem, seinen Initialbetrieb aufnehmen. Voll funktionell wird es, gemäss Planung, 2019/2020 sein. Galileo benutzt für seine Dienste u.a. das Band 1260 – 1300 MHz.

OE1MCU schlägt deshalb vor, an der übernächsten Radiokonferenz 2018 für den Amateurfunkdienst den Bereich 1300 – 1310 MHz zu beantragen. Gleichzeitig warnt er auch davor, das 70cm Band als Ausweichmöglichkeit für ATV einzusetzen. Damit würden nicht nur unsere Satelliten gestört, sondern auch flächendeckend die drahtlosen Schlösser der Autos blockiert.

Das würde wohl unseren Regulierungsbehörden nicht gefallen und wir müssten mit Restriktionen rechnen.

Generell wird in Zukunft der Druck auf unsere Mikrowellenbänder zunehmen. Wenn wir Glück haben, können wir einige schmale Segmente erhalten. Das reicht zwar durchaus für Schmalband-Experimente und Satellitenbetrieb, doch für Breitbandanwendungen wie HamNet könnte das das AUS bedeuten. Gefährdet sind prinzipiell alle Bänder oberhalb des 2m Bandes.

73 de Anton

Bild: OH/HB9ASB/m auf dem Lemmenjoki

 

DYC-8×7 2.0: Dynamikkompressor für FT-817

P1030453 Große E-Mail-Ansicht

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Zwei Dinge habe ich bei meinen FT-817 und FT-857 vermisst: Einen brauchbaren Noiseblanker und einen Sprachkompressor. Beim NB ist wohl Hopfen und Malz verloren. Doch um etwas mehr Punch zu haben, habe ich das Mikrofon modifiziert und den SSB-Mik-Gain auf 80 gesetzt. Das hat sich bisher bewährt.

Doch jetzt gibt es eine bessere Möglichkeit, sich mit den Yaesu-Transceivern durchs QRM zu bohren. Die Fachzeitschrift Funkamateur.de hat in ihrem Shop Box73 einen Sprachkompressor im Programm, der wirklich seinen Namen verdient. Er kommt, professionell aufgemacht und mit einer englisch-deutschen Bauanleitung, als Bausatz daher. Die Platine ist schon vorbestückt und die paar restlichen Bauteile kann auch der DAA (Der Dümmste anzunehmende Amateur) zusammenlöten.

Ich liege aber offenbar noch eine Kategorie unter dem DAA: Beim Auspacken verschwand der SMD-Tantalkondensator (220uF 10V) im Durcheinander meines Shacks und war nicht mehr aufzufinden. Glücklicherweise habe ich in der Tiefe meiner Bastelkisten einen bedrahteten Ersatz gefunden.

In meinem Fall liess sich der Mikrofonstecker nur unter hohem Druck einschnappen. Aber einmal drin, sitzt er fest. Vielleicht habe ich da was übersehen. Denn um ehrlich zu sein, muss ich gestehen, dass ich die Bauanleitung nicht durchgelesen habe ;-)

Das Teil besitzt einen Schalter, mit dem sich der Kompressor ein und ausschalten lässt und wird vom Transceiver gespeist (ca. 10mA). Die Wirkung ist frappant und man tut gut daran, den Mik-Gain des Transceivers nicht höher als auf 50 zu stellen. Mit dem Trimmer P1 lässt sich dann die Verstärkung im Kompressor auf eine saubere Modulation einstellen (Schalter auf AUS). Mit P2 wird dann der Kompressionsgrad eingestellt. In meinem Fall genügte die schwächste Einstellung. Ich empfehle dringend, die Regelung mit einer befreundeten Gegenstation vorzunehmen, bevor man den Kompressor auf die Allgemeinheit loslässt.

HF-Einstrahlung habe ich nicht bemerkt, auch nicht mit den 100W des FT-857. Auch an diesem Gerät macht das Teil eine gute Figur, ist doch der im Transceiver eingebaute Kompressor praktisch nutzlos.

Übrigens funzt der Aussenbordkompressor auch sehr gut mit meinem modifizierten Mikrofon.

Eigentlich habe ich den Kompressor zweimal bestellt. Auf Rechnung hat’s – wie immer – perfekt geklappt, doch mit PayPal hat sich Box73 offenbar noch nicht recht angefreundet. Wo andere nach der Bestellung direkt zur Zahlung auf PayPal weiterleiten, muss man auf eine Email warten. Ich warte heute noch.

Fazit: Ein nützliches Zubehör für die Yaesu FT-8×7 Linie für den SSB-Betrieb. 6dB mehr sind besonders bei QRP entscheidend und wirken beim FT-817 wie eine nachgeschaltete 20W Endstufe.

73 de Anton

PS. Ein Zückerli für Schweizer Kunden: Box73 zieht korrekterweise für Lieferungen in die Schweiz die deutsche MwSt von 19% ab. Da der Preis unter dem Radar unseres Zolls liegt, bleibt es dabei und unsere 8%, plus Raubrittertribut der Post, müssen nicht entrichtet werden.

Wer ist Anton?

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Immer wieder wollen OM wissen, wer dieser Anton ist, der hinter dem Blog steckt. Fratzenbuch hilft da leider nicht weiter und auch Twitter nicht. Denn ich zwitschere nicht, sondern wispere oder morse.

Darum und um die Neugier der OM auf den neusten Stand zu bringen, habe ich meinen Lebenslauf überarbeitet. Vielleicht ist ja der eine oder andere Personaler unter euch Lesern und da sind CV immer spannend. Aber ich möchte euch dringend bitten, von Jobangeboten abzusehen. Zurzeit bin ich nämlich voll ausgelastet :-)

73 de Anton

Bild: Anton erklärt die Physik von Wunderantennen

Chinesische mAh

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Nur Hardcore-Funker schleppen beim QRP Betrieb noch Bleiklötze durch die Natur. Wir Warmduscher bevorzugen LiIon oder gar LiPo Akkus. Zum Beispiel die blauen Blackboxes aus China, die ich hier vorgestellt hatte.

Kürzlich habe ich eine weitere Variante dieser mysteriösen Akkupacks entdeckt. Laut Verkäufer beinhaltet es vier Stück der gängigen 18650er Zellen. Es soll 8.4Volt und 10000mA liefern können.

Der gewiefte OM vermutet natürlich eine Serie- und Parallelschaltung der Zellen. Doch 5000mAh pro Zelle? Das scheint mir doch ein bisschen Zuviel des Optimismus. Und dann noch 4.2Volt?

Trotzdem sind 18650er eine gute Lösung  für den Portabelbetrieb (oben im Bild in der Mitte). Aber wie W2LJ in seinem Blog beschreibt, braucht man sie nicht in blauem Klebeband eingewickelt zu kaufen. Einzelzellen gibt es auf Ebay jede Menge und in allen Farben. Zwischen 2000 und 5000 mAh (!) findet man alles. Chinesische Faustregel: Man dividiert den höchsten mAh Wert, den man findet, durch zwei und landet so bei einer realistischen Kapazität. Also 5000mAh durch zwei = 2500mAh. Das ist ein Erfahrungswert ;-)

Das reicht allemal. Auf Ebay gibt es auch Ladegeräte dazu, meist im Multipack zu den Batterien, und auch entsprechende Batteriehalter. Für unsere Zwecke brauchen wir einen Dreizelligen, da wir drei Akkus in Serie schalten wollen. Die sind etwas seltener, aber wer sucht, der findet. Sorry, falscher Link zum Parallelmodell – Danke Markus!

Hier noch der Link zum richtigen Modell mit 3 Akkus in Serie. Dieses Modul verfügt über eine eingebaute Schutzschaltung. Diese könnte u.U. stören, da viele 18650er bereits über eine eingebaute Schutzfunktion verfügen. Darum hier noch eine Quelle für ein Batteriefach ohne Schutzschaltung. Hier sogar noch etwas günstiger, für sage und schreibe 1.49$, free shipping. 

Zum Schluss möchte ich euch noch einen Antennenrotor vorstellen, den ich im Norden Finnlands entdeckt habe ;-)

73 de Anton

Bild: von links nach rechts: 26650 Li-Ion Akku, 18650 Li-Ion Akku, AA-Batterie zum Vergleich.

Dinge, die eigentlich nicht funktionieren sollten

Antons Ellbow-Antenna

Die NASA hat ein Triebwerk für Raumschiffe getestet, das eigentlich nicht funktionieren dürfte. Es ist ein Mikrowellentriebwerk, bei dem 935 MHz in eine unsymmetrischen Kavität abgestrahlt wird. Der erzeugte Schub ist zwar noch gering, doch wenn das im grossen Masstab funktioniert, soll der Mars in zwei Wochen und Alpha Centauri in 30 Jahren zu erreichen sein. Es gibt also nicht nur bei Wunderantennen Dinge, die eigentlich nicht funktionieren sollten ;-)

Kürzlich habe ich die Messresultate meiner Drahtantenne mit der Simulation auf MMANA-GAL verglichen. Da gibt es gewaltige Differenzen und es zeigt mir wieder einmal, wie schwierig Antennensimulationen in komplexen Umgebungen sind. Auch da ist nicht alles, wie es sein sollte. Die Frage ist: Wem glaube ich mehr: meinem MFJ-269 oder der Simulation? Wer misst, misst Mist und wer für alles offen ist, was auf dem Computerschirm erscheint, ist nicht ganz dicht. Eine schwierige Entscheidung. Auf jeden Fall habe ich es bisher noch nicht geschafft, für mein QTH eine bessere Drahtantenne zu bauen als die geknickte Inverted-L mit strahlungsgekoppeltem isoliertem Fahnenmast :-)  Das Teil ist offenbar schwer zu schlagen (rote Linien im Bild oben + 12m Vertikalteil am unteren Ende)

Darauf haben wir doch alle gewartet: Nach grünem Strom, Atomstrom und freier Energie gibt es jetzt auch Digitalstrom. Ob das die Welt wirklich braucht?

Doch Dinge, die wir nicht wirklich brauchen, erzeugen Wachstum, ohne das kein Ökonom und kein Politiker auskommt. Aber wie das auf Dauer in einer endlichen Welt funktionieren soll, konnte mir bisher keiner erklären.

Anyone who believes exponential growth can go on forever in a finite world is either a madman or an economist. Kenneth E. Boulding

73 de Anton

 

 

 

 

 

80m& 40m NVIS Mini-Antenne

Mein Schiff

Kürzlich bin ich auf die Seite von HB9LCD gestossen. Ruedi reist gerne mit seinem Wohnmobil und damit er mit seinen Funkfreunden in Kontakt bleiben kann, hat er eine NVIS-Antenne gebaut, die auch in den beengten Verhältnissen eines Campingplatzes aufgebaut werden kann. Es handelt sich dabei um einen verkürzten Dipol für das 40m Band.

Ein verkürzter Dipol von gleicher Grösse für das 80m Band hätte wohl einen ziemlich schlechten Wirkungsgrad wegen den Verlusten in den Verlängerungsspulen und die Anpassung wäre ebenfalls schwierig.

Das ist schade, denn mit der abnehmenden Sonnenaktivität wird das 40m Band oft für NVIS-Verkehr wegfallen. Höchstens um die Mittagszeit herum wird es dann noch für kurze Strecken brauchbar sein. Abends wird nur noch das 80m und 160m Band für NVIS-Verbindungen zur Verfügung stehen – und natürlich 630m ;-)

Ich habe mir überlegt, was ich tun würde, wenn mir nur ein einzelner Mast mit 6m Höhe und eine Spannweite von 14m zur Verfügung stehen würde, um gleichwohl auf 80m QRV zu sein.

Ich denke, ihr ahnt schon, wo das hinausläuft ;-)

Richtig! Ich würde einen CG-3000, SG-230 oder vergleichbaren automatischen Tuner einsetzen. Aber auch ein Auto-Tuner kann nicht zaubern. Ein Dipol käme deshalb nicht in Frage. Die m.E. beste Lösung für diesen Fall ist ein Loop mit ca. 30m Umfang, gespeist in der Mitte. So könnte das Teil aussehen:

Mini Loop NVIS

Der Tuner befindet sich in der Mitte des Horizontalteils, 2m über Boden. Ein Gegengewicht ist bei Loopantennen nicht notwendig. Natürlich ist der Loop für 80m zu klein – auch noch für das 40m Band. Doch so schlimm ist es nicht. Der Realteil der Impedanz ist wesentlich höher, als er es bei einem Dipol wäre. Die Verluste sind folglich geringer. Hier das Strahlungsdigramm für das 80m Band:

Mini_Loop_80


Das hohe SWR mag manchen OM etwas erschrecken. Doch keine Bange, der Tuner stimmt das weg. Für das 40m Band sieht das Strahlungsdiagramm noch mehr nach NVIS aus, der Gewinn in der Vertikalen steigt an:

Mini_Loop_40

Eine DX-Antenne ist das natürlich nicht, obwohl sie der Tuner auch im 30m und 20m Band noch problemlos anpasst. Doch da gibt es einen kleinen Trick: Wenn der Tuner nicht in der Mitte des Horizontalteils sitzt, sondern in einer der unteren Ecken, wird die Antenne zu einer fantastischen DX-Antenne für 30 und 20. Bevorzugte Strahlung quer zur Spannrichtung! Für 80m bleibts beim NVIS, nur für 40m wirds ein Zwitter.

Diese Mini-NVIS-Loop passt natürlich nicht nur auf einen Campingplatz, sondern auch in einen kleinen Garten.

73 de Anton

Bild: Leider nicht mein Schiff. Honningsvåg, Norwegen

Eine Antenne für alle Fälle

Collins_S3_Line

Ihr habt es sicher schon gemerkt: Die Antenne gehört zu meinen Lieblingsthemen und ich probiere gerne mal wieder neue Konstruktionen aus. Wenn es aber nicht ums Experimentieren geht, sondern einfach ums Funken, werde ich zum Simpel:

Da mag ich am liebsten einfache Antennen, sowohl für portabel wie zuhause. Antennen, die man nicht abgleichen muss, wo man einfach die Taste drücken kann und schon funzt es, SWR <1:1.5, in welchem Band auch immer. Ich mag keinen Tuner im Shack und den im Transceiver sowieso nicht. Ich bin allergisch auf UNUNS, BALUNS und auf Traps und überhaupt auf alle Spulen im Zusammenhang mit Antennen. Nur auf Mittel- und Langwelle nehme ich sie zähneknirschend in Kauf – in Form eines Variometers. Zweidrahtleitungen sind mir ein Graus; ich stehe auf Koaxialkabel.

Was tut man in diesem hoffnungslosen Fall? Ganz einfach: Man benutzt einen automatischen Tuner. Einen CG-3000 gibts schon ab 285 Franken, frei Haus ex deutsche WUST, inkl MWSt., wenn man ihn beim richtigen Dealer bestellt. Der Urtuner SG-230 kostet das Doppelte. Bei MFJ schrecken mich die Eham Reviews noch ab.

So ein Autotuner am Speisepunkt der Antenne montiert, ist ein Wunderheilmittel. Die Antenne ist immer optimal an das Koax angepasst und die Verluste im Tuner sind meist vernachlässigbar, wenn sich die Impedanz in vernünftigen Grenzen bewegt.

Im Gegensatz zu Wunderantennen gilt bei den Automatik-Tunern die klassische Physik ;-) Man kann mit ihnen alle möglichen Arten von Antennen bauen: Vertikalantennen, Inverted-L, Langdrähte, V-Beams, Dipole, Windoms, Loops usw. Will das Teil mal nicht abstimmen, liegt’s in der Regel am Gegengewicht oder an einer sehr ungünstigen Impedanz. Im ersten Fall hilfts, wenn man die Erdung/Radiale verbessert, im zweiten, wenn man den Draht leicht verkürzt/verlängert. λ/2 und ein Mehrfaches davon sind zu vermeiden. Hier der Impedanzverlauf in Abhängigkeit von Drahtlänge und Frequenz.

Wichtig ist, dass man sich an folgende zwei Regeln hält:

1. Bei symmetrischen Antennen, Loops und Windoms muss beim Tuner eine Mantellwellensperre eingefügt werden. Das sind einige Windungen Koax durch einen Ferrit-Ringkern unmittelbar bevor das Koax am Tuner angeschlossen wird. Eine Seite des Dipols oder Loops wird dann an die Erdklemme des Tuners geschraubt.

2. Nach dem Tuner kommt direkt die Antenne. Kein Koax, kein Balun oder Unun oder irgend ein anderes Spassteil.

Eine gute Einführung mit praktischen Ratschlägen findet man im Manual des SG-230 von SGC. Aus dem gleichen Haus gibts Ratschläge für Stealth Antennen mit Autotunern. Auch im HF-User Guide von SGC findet man jede Menge nützlicher Tipps.

Etwas Draht und ein Automatiktuner ist auch für den Notfunk eine gute Lösung. Eine NVIS-Antenne ist damit blitzschnell aufgebaut und ein Abgleich entfällt.

Mir ist schleierhaft, wieso sich so viele OM mit Trap- und Unun-Antennen, mit G5RV, W3DZZ, FD4 und Konsorten abplagen. Mit einem Autotuner und einem Dipol von ca. zwei mal 13m ist man von 80 bis 10 auf alllen Bändern QRV. Sogar 160m wird noch einigermassen gehen. Mit ca. zweimal 22-25m gehts auch dort recht flott. Mit einer Vertikal von ca. 7m ist man von 10 bis 40 QRV – bei guter Erde/Radials.

Eine Antenne muss nicht resonant sein, um zu strahlen! Damit die volle Sendeleistung in den Strahler gelangt, muss dieser jedoch an die Speiseleitung angepasst werden. 

Hier gehts zu einer interessanten Product Review der ARRL über Autotuner

Und hier ein Bericht von Martin, G8JNJ

Ein Vergleich verschiedener Automatiktuner von DF8HL

73 de Anton